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Wax Tailor spielt im Lido

Wax_TailorWenn sich Wax Tailor an seine Prägung in der Pariser Vorstadt erinnert, schwärmt er von den „goldenen Jahren des HipHop“. Es war die Zeit von A Tribe Called Quest oder Grandmaster Flash; Wax Tailor, eigentlich Jean-Christophe Le Saoыt, sammelte manisch CDs, gründete Bandprojekte und moderierte irgendwann seine eigene Radioshow. Der Zauber des Hip­Hop ist seither verblasst; doch Le Saoыts Sammelwut hat sich ausgeweitet – um Sixties-Soul, Funk und knisternde Filmmusik. Unter dem Projektnamen Wax Tailor verknüpft der Mittdreißiger nun all seine Neigungen.

Auf bisher drei Alben kreiert er collagenhafte Soundfilme quer durch die Dekaden; er spickt sie mit Loops aus Filmdialogen oder dramatischen Streichern und besetzt die Hauptrollen wahlweise mit MCs oder traurigschönen Sängerinnen. Auch das neue Album „In The Mood Of Life“ erinnert an einen plüschigen Kinosaal – insbesondere wenn Muse Charlotte Savary die übernächtigte Diva gibt. Doch ansonsten setzt der Franzose diesmal verstärkt auf dialogreiche Episoden: Im Raptrack „Say Yeah“ etwa drängeln sich tagespolitische Schlagworte von Warlords über Selbstmord-Bomber und Kongo-Krieger in den Zeilen; am Ende reimt sich Obama auf Dalai Lama. „Es hat sich viel verändert seit wir einen neuen Präsidenten haben“, erklärt Le Saoыt sein keimendes Interesse am Polit-Rap. „Dieses Gefühl prägt das Album. Mit dem Titel ,In The Mood For Life‘ meine ich, dass die Leute endlich aufwachen und wieder kämpfen sollen um die Dinge, die sich abspielen.“ Zu den Tracks, die er dazu liefert, möchte man sich zwar eher einen Cappuccino aufbrühen als ein Auto anzünden. Doch Revolutionen startet man schließlich am besten gut ausgeschlafen.

Text: Ulrike Rechel

(Fanveranstaltung)

Wax Tailor
im Lido, Fr 11.12., 20 Uhr, VVK: 15,50 Ђ
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