Konzerte & Party

Weyes Blood in der Berghain Kantine

Weyes Blood

Natalie Mering war kaum eingeschult, als ihr Vater – ein frommer Prediger – eine E-Gitarre hervorkramte und den Kindern ein paar Riffs aus seiner Zeit als Rockstar vorspielte. Seither hat Mering die E-Gitarre nicht mehr losgelassen. An die Frühsozialisation mit Kurt Cobains Songs schloss sich als Teen ihr Soloprojekt Weyes Blood an. Damals brandete mit Charakteren wie Devendra Banhart eine neue, schräge Folkwelle auf, die Mering beeindruckte. Die heute 26-Jährige ist bei ihrer ganz eigenen Spielart angelangt, die sich erstaunlich selbstgewiss abhebt von den Inspirationen. „The Innocents“ heißt das zweite Weyes-Blood-Album, auf dem sich Merings frühere Lo-Fi-Wohnzimmeraufnahmen in etwas wundersam Erhöhtes verwandeln. Ihre schöne ernste Stimme erinnert an verblichene Folkgrößen oder auch Lows Mimi Parker, ihre Gesangsmelodien verkuppelt sie mit subtilen Verfremdungseffekten. Das Instrumentarium der Band ist reduziert, aber wirkungsvoll, teils verbreiten psychedelische Synthesizer etwas Geisterhaftes, woanders legt die Gitarre Endlos-Harmonien, und wenn Mering sich selbst mit Chorgesang und Mandoline begleitet, klingt das sonderbar heilig. „The Innocents“ ist so etwas wie ein Coming-of-Age-Album, es geht um den Abschied von der Kindheit, die erste Beziehung und die erste große Trennung: Erfahrungen also, durch die man durchmuss mit Anfang 20. Mering aber lässt ihre Storys klingen, als gäbe es danach kein Morgen.

Text: Ulrike Rechel

Weyes Blood, Berghain Kantine, Rüdersdorfer Straße 70, Friedrichshain, Mi 18.2., ?21 Uhr, 10,50 Euro zzgl. Gebühr

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