Konzerte & Party

Wie war es denn bei Seeed?

Seeed

Seeed spielen zu Hause. Peter Fox, Dellй und Boundzound schwoofen im feinen schwarzen Zwirn mit tiefen Ausfallschritten und markigen Kehrtwenden über die Bühne. Die Menge im ausverkauften Saal tobt. Die auf Traversen drapierten Instrumentalisten verstricken sich derart ineinander, dass ein einziger wuchtiger Musikkörper hinter den drei Sängern schwingt. 13 statt bisher elf Musiker zählt die, man kann es nicht anders sagen, Big Band. Die Bläserabteilung wurde sinnvollerweise aufgestockt und veredelt den ohnehin hypermassiven Sound. Tänzerinnen, Leinwände oder andere ablenkende Visuals braucht es nicht.
Oder einmal kurz dann doch: „Schüttel deinen Speck! Schüttel deinen Speck!“, grölt die Masse und winkt und bounct. Per Applaus wählt der Saal eine der drei Tänzerinnen, die soeben aus dem Publikum gezogen wurden. Die Siegerin und damit beste Speckschüttlerin ist aus Neukölln. Noch mal Getöse vom Rang und weiter im Programm. Seeed-Klassiker wie „Dickes B“ oder „Schwinger“ bekommt der Berliner Fan ebenso perfekt arrangiert und performt um die Ohren geschlagen, wie „Augenbling“ oder „Beautiful“ vom neuen Album. Dazwischen auch Peter-Fox-Stücke wie „Schwarz zu Blau“.
Fox, der als Heimgekehrter einige Stücke seines Soloalbums ins Bandrepertoire wirft, ist nach wie vor das Epizentrum der Truppe. Der Seeed-Sound wäre ohne die Einlagen seiner Mitstreiter aber nicht denkbar. Das Dreigestirn im lässigen Gleichschritt wirkt trotz der minutiös geplanten Choreografie zu den Songs weder peinlich noch aufgesetzt, sondern bleibt sympathisch selbstironisch. Nur ein Grund von vielen, warum der ganze Saal ab dem ersten Song steht und stellenweise lauter ist als die Band. Und sich am Ende vier Zugaben erschreit.

Text: Susan Schiedlofsky

Foto: POP-EYE/Christian Behring

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