Konzerte & Party

Wie war\s bei den Simple Minds?

Friedrichstraße, zehn vor acht. Drei ältere Herren in blauer Jeans, Hemd, Pulli und mit Brille stehen etwas verloren im Hof. Zur linken das Radioeins-Studio und ein Pärchen, das sich vermutlich 1985 auf der „Once Upon a Time“-Tour kennengelernt hat, rechts nur nasses Pflaster und gähnende Leere. Im Foyer des Admiralspalastes herrscht wenig Trubel, Karten gibt es auch noch. Kurz kommt die Befürchtung auf, dass man doch noch länger in dem kleinen asiatischen Restaurant auf der Torstraße hätte bleiben sollen.

Die Angst ist unbegründet, denn Punkt acht geht es los. Eine dröhnende Stimme aus dem Off, zumindest ist vom Parkett kein Ansager auszumachen, erklärt in drei Sätzen den weiteren Ablauf des Abends: Jeweils fünf Songs von den fünf ersten Alben sollen gespielt werden. Die Band tritt von acht bis neun auf, dann kurze Pause. Danach ein zweiter Block bis viertel nach zehn. Punkt.
Kronleuchter aus. Nebel rein. Neonscheinwerfer an. Die Ersten reißen die Hände in die Luft und legen mit Klatschen los.
Jim Kerr, Sänger und Gesicht der Simple Minds, tänzelt in übermäßig schwungvoller Manier auf die Bühne, winkt links, rechts, verteilt Luftküsse an einen imaginären Fan auf dem Rang links außen. Zumindest reagiert dort zunächst niemand. Später wird an selber Stelle ein EDV-Sachbearbeiter vom linken aufs rechte Bein wippen und bei jedem Einsatz von „Love Song“  pathetisch den Zeigefinger Richtung Bühne, Kerr und dem Rest der fünfköpfigen Combo werfen.

Ein Dutzend Gitarren, Synthesizer, Keyboards, ein Schlagzeug. Dazu der schon nach dem zweiten Song schweißgebadete Jim Kerr, der das Mikrofon jubilierend über seinem Kopf im Kreis schwingt oder sich mit Ganzkörper-Ausfallhieben nach vorn, hinten oder auf den Knien durch die magentafarbenen Lichtkegel im Nebelwald wühlt. Die Synthiesounds sind stellenweise etwas flach und eindimensional, an anderer Stelle aber grandios voluminös und begeisternd einfach. Kerrs Gesangseinsätze wirken entweder übertrieben theatralisch, die Texte, größtenteils lächerlich einfach, bestehen – wie das in den Achtzigern halt war – meist nur aus einem Wort oder einer Wortgruppe, das beziehungsweise die dann gebetsmühlenartig wiederholt wird. Die Songs sind lang. Die Tanzlaune im Saal eher verhalten. Nur Über-Kopf-Klatschen und Pfeifen scheinen sich die ehemaligen Postpunker und New Waver als Währung der euphorischen Zustimmung und Bewunderung von damals erhalten zu haben. 

Text: Susan Schiedlofsky
Foto: Pop-eye

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