Konzerte & Party

Wie war\s bei der Eröffnung im Gretchen?

Gretchen

Während nur wenige hundert Meter entfernt ein neuer Club eröffnet, treiben am Halleschen Tor schlafende Schwäne im dunklen Kanalwasser. Der Weg zum Gretchen führt an ihnen vorbei, dann auch über den Parkplatz eines Biosupermarktes. Nebenan liegt die Tanzbar Miami, die im lilafarbenen Neonlicht leuchtet.
Drinnen ist das Gretchen riesengroß, oben ein gemauertes Kreuzgratgewölbe, zu dem schlanke ionische Säulen aufstreben. Es ist hell für einen Club, hinten, im zweiten Raum, wo geraucht werden darf, ist es zu hell. So ganz will das Designkonzept, dem preußischen Gemäuer aus dem 19. Jahrhundert weiße DJ-Pults in iPod-Ästhetik und ein filigranes Stahlkonstrukt mit zwei Dutzend silbrigen Glühbirnen entgegenzusetzen, nicht überzeugen. Die ersten Stunden plätschern so dahin, man streift durch die großen Räume, bleibt auf dem Weg zu den Toiletten vor einer knallbunten nackten Wandskulptur hängen, die ein Überbleibsel des Schwulenclubs sein muss, der hier zuletzt betrieben wurde. Man unterhält sich in Grüppchen auf der Tanzfläche und wippt im Licht eher verhalten zu Marvin Suggs vom Berliner Pink-Pong-Label, der eher schnöde, elektronische 4/4-Musik auflegt.
Mit dem Gretchen wollen die beiden Betreiber Lars Döring und Pamela Schobeß eigentlich endlich das tun, was ihnen in diesem kleinen Schuppen, den sie in Prenzlauer Berg haben, dem Icon, bisher nie möglich war. Sie wollen Konzerte zeigen, das Gretchen soll mehr Bühne als Club sein. Doch in dieser Eröffnungsnacht bleibt es erst mal bei Live-DJ-Sets auf der Bühne. Als Marvin dann schließlich gegen halb zwei auf Breaks umsteigt, die Tanzfläche sich langsam mit Tanzenden füllt, steht der Franzose Pedro Winter am Tresen und bestellt Drinks. Zwölf Jahre lang hat er Daft Punk gemanagt, dann Cassius und Justice und sein eigenes kleines Label, Ed Banger Records. Jetzt malt er schwarze Striche auf das Cover seiner Platte „Rainbow Man“, das ihm ein junger Mann mit zittriger Hand unterschiebt. Der Mann umarmt Winter, der sich Busy P. nennt, wenn er wie in dieser Nacht im Gretchen auflegt. Hilfesuchend sucht er in der Menge nach seinen Kollegen, während er unbeholfen die Schulter des Fans tätschelt. Konzertstimmung kommt dann übrigens nur am Ende der DJ-Sets auf, als das Publikum artig klatscht.

Text: Anne Lena Mösken

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Gretchen, Obentrautstr. 19-21, Berlin-Kreuzberg

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