Konzerte & Party

Wieder da: Fleetwood Mac in der O2-World

Fleetwood Mac

Zunächst kam der große Erfolgsrausch, dann die finanzielle und emotionale Ernüchterung. Christine McVie (heute 66): „Ich habe mir mal einfach nur so einen Rolls-Royce gekauft. War blöd, den selbst zu fahren, also habe ich ihn gegen einen Landrover umgetauscht.“
Mick Fleetwood (67): „Ein Leben wie eine Achterbahn. Fer­raris, Privatjets, Hotelsuiten – schicken Sie die Rechnung. Man sprach nicht mehr über unsere Musik, sondern über unsere Millionen.“ Die waren bald wieder futsch. Ende der 1980er muss Mick Fleetwood bankrott anmelden – angeblich wegen dubioser Immobiliengeschäfte in Australien. Der Schlagzeuger: „Wenn ich das ganze Geld mit Drogen vermacht hätte, wie behauptet wird, wäre ich heute tot.“
Reich geworden waren Fleetwood Mac vor allem mit „Rumours„, dem Überalbum, das von 1975 bis heute 40 Millionen Mal verkauft wurde. Von allen 20 Fleetwood-Mac-Werken gingen weltweit insgesamt 100 Millionen Alben über den Tresen. Rekord! „Rumours“ zeugt in jedem Song von privaten Streitereien. Nach acht Jahren Ehe lässt sich Jenny Boyd, die Schwägerin von George Harrison, von Mick Fleetwood scheiden. Zu viele Drogen, Affären, Tourneen. Nach sieben Jahren lassen sich John und Christine McVie scheiden. John trinkt seit frühester Jugend und landet schließlich bei zwei Flaschen Wodka pro Tag. Christine hat eine Affäre mit Beach Boy Dennis Wilson. Auch Stevie Nicks und Lindsey Buckingham trennen sich. Sie hatte ein Zwischenspiel mit Bandboss Mick. Stevie nimmt Kokain und Tranquilizer und muss sich schließlich einer Therapie in der Betty-Ford-Klinik unterziehen.
Fleetwood MacEiner hatte das bereits 1969 kommen sehen: Peter Green war 1967 nicht nur Mitbegründer der damaligen Bluesband, er kündigte sie auch kurzerhand als „Peter Green’s Fleetwood Mac featuring Jeremy Spencer“ an. Mick Fleetwood: „Blues war immer die Basis. Aber ich wollte, dass es weiter geht. Wir waren neugierig und wollten Erfolg. Nur Peter nicht.“ Als sich die Briten auf ins gelobte Land Amerika machten, sah Green darin den künstlerisch-menschlichen Ausverkauf. Er stieg aus und wurde zunächst Totengräber. Mick Fleetwood: „Er hätte nie LSD nehmen sollen.“
Auftritt Christine McVie, geb. Perfect („Ich war perfekt, bis ich John McVie heiratete“). Eine ehemalige Kunststudentin, preisgekrönte Bluessängerin, Songschreiberin und Keyboarderin. „Ich fand die Idee, nach Amerika zu gehen, toll. Aber als wir in L.A. landeten, lag ein giftig-gelber Dunst über der Stadt. Kein gutes Zeichen.“ Gitarrist Jeremy Spencer geht kurz nach der Ankunft „einen Hamburger essen“. Er bleibt tagelang verschwunden, wird bei der Sekte „Kinder Gottes“ wieder entdeckt und ist nicht mehr ansprechbar. Christine McVie: „Er hätte keine Trips nehmen dürfen, bei dem ganzen Alkohol.“
Der zweite Gitarrist Danny Kirwan wird zunehmend verwirrter, zertrümmert seine Gitarre, erleidet einen Nervenzusammenbruch und endet in der Psychiatrie. John McVie: „Drogen und so viel Alkohol, manche schaffen das nicht.“
Dann beschert der Zufall den Fleetwood-Mac-Mitgliedern ein mu­sikalisches Paar der Sonderklasse: Stephanie „Stevie“ Nicks und Lindsey Buckingham. Mick ist begeistert. Stevie Nicks (61): „Ich kam vielen vor wie eine verzauberte Fee. Ich liebe Wallegewänder und den ganzen Hokuspokus.“ Christine McVie.: „Sie hat diesen mystischen Kram drauf. Sie ist halt ein Fan von Isadora Duncan und liebt es, wie ein Derwisch zu tanzen.“
Fleetwood MacEine brisante Konstellation: drei Songschreiber, vier großartige Stimmen, fünf völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Jeder ahnte, dass daraus etwas Einmaliges entstehen konnte. Mick Fleetwood.: „Das Besondere bei uns war immer die Individualität der einzelnen Musiker. Wir haben die unterschiedlichen Charaktere immer betont. Unser Markenzeichen.“ Lindsey Buckingham: „Wir sind extreme Individualisten, die zufällig wunderbar miteinander arbeiten können. Nur auf der Bühne sind wir eine Band.“ Christine M.: „Wir sind ein Haufen extrovertierter Egomaniacs.“
Und seit März 2009 ist dieser Haufen nun doch wieder on the road. Seit Mitte der 1990er gab es nur noch hier und da einen Auftritt, z.B. bei der Rock’n’Roll Hall Of Fame. Lindsey schwor damals: „Unser Schwanengesang.“ Und Christine McVie: „Nie wieder Konzerte. Eine Tour liefert nur Stoff für traurige Songs.“
Die spielt nun das magische Quartett John, Mick, Stevie und Lindsey. Nur Christine blieb eisern zu Hause in Kalifornien. Es gab ein Gerücht, die Nicks-Freundin Sheryl Crow käme als Ersatz – aber das sind nur Gerüchte, eben „Rumours“.

Text: Gitti Gülden

Fleetwood Mac, O2 World, Mo 19.10., 20 Uhr, VVK: ab 38 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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