Konzerte & Party

Wilco im Tempodrom

Wilco

Im Nachhinein hat Jeff Tweedy alles richtig gemacht, als er vor 17 Jahren die Alternative-­Country-Vorreiter Uncle Tupelo platzen ließ. Im zweiten Anlauf entstand mit Wilco ein ganz anderes Modell. Hier ist Tweedy kein Leader im autoritären Sinn, sondern Leiter einer Ideenwerkstatt, in der Inhalt jederzeit Vorrang vor dem Ego hat. Lange Jahre hat es keine feste Besetzung gegeben, man war immer in Bewegung. Jetzt ist das Line-up stabiler, aber noch immer versteht es die Band, sich von vertrauten Mustern im Gitarrenrock abzusetzen. Das neue Album „The Whole Love“ macht da keine Ausnahme. Im Einstiegssong „Art Of Almost“ prallen dramatische Blitz- und Donnereffekte auf sanfte Streicherpassagen, wird mit dubbigen Basslinien und Störgeräuschen am Keyboard gearbeitet und kollabiert am Ende alles sensationell im psychedelischen Verzerrerrausch. Das hat fast schon Avantgarde-­Charakter. Im weiteren Verlauf kommt mehr Pop ins Spiel, die ganze Band wirkt aufgekratzt. Entstanden ist alles wie immer im Band-Hauptquartier Wilco Loft in Chicago. In dessen Räumen gibt es nun auch ein zusätzliches Büro, von dem aus das eigene Label dBpm Records betrieben wird. Dessen erste große Veröffentlichung: „The Whole Love“.

Text: Thomas Weiland

Wilco + Jonathan Wilson, Tempodrom, Sa 12.11., 20 Uhr, VVK: 28–38 Euro

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