Konzerte & Party

Willis Earl Beal im Monarch

WillisEarlBealAuf YouTube kann man Willis Earl Beal sehen, wie er an einer zugigen Geschäftsstraße ausharrt und Zeitungen feilbietet. „Monotony“ heißt der Song zum Clip, in dem der Endzwanziger eine tröstliche leise Melodie anstimmt und dazu holprig die Gitarre schrammelt. Das Szenario ist zwar inszeniert, doch trifft es die Situation, in der Beals Debütalbum entstand. Jahrelang ohne Job, konnte der Songschreiber aus Chicago nirgends Fuß fassen. Nach krankheitsbedingter Entlassung aus der Armee träumte er von einer Popkarriere. Doch statt im Studio landete der junge Mann, der es sogar in der Castingshow „X-Factor“ versuchte, auf der Straße. Seine Songs nahm Beal mit einer ramschigen Gitarre und einem billig ergatterten Aufnahmerekorder auf. Das rohe, fehlerreiche Klangbild des Albums „Acousmatic Sorcery“ sei keineswegs absichtlich ramponiert, sondern den Entstehungsbedingungen geschuldet: „Hätte ich ein teures Pop-Album machen können, hätte ich’s getan“, betont der Mann. Doch genau in seiner Rohheit und der Konzentration liegt der Reiz von Beals NeoBlues. Jetzt, wo mit XL Recordings endlich ein potentes Label auf die selbst gebrannten Demo-CDs des „schwarzen Tom Waits“ aufmerksam wurde, verfügt der Straßenpoet erstmals über genügend Mittel für professionelle Aufnahmetechnik. Vielleicht macht er ja nun Ernst und veröffentlicht eine Pop-Platte. Was nebenbei ein netter kleiner Racheakt wäre für das Scheitern vor der ­Castingjury.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Hot Charity / XL Recordings 2011

Willis Earl Beal Monarch, Fr 25.5., 20 Uhr, VVK: 15 Euro

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