Konzerte & Party

Willis Earl Beal im Privatclub

Willis Earl BealMusiker können auf unterschiedliche Art und Weise auf sich aufmerksam machen. Bei Willis Earl Beal war es so, dass er auf Straßen und Bahnhöfen in Chicago Lieder sang und Flyer mit seiner Telefonnummer hinterließ. Er versprach den Leuten, ihnen etwas vorzusingen, wenn sie ihn anrufen. Ganz einfach war es dann aber nicht, den freigebigen Künstler an die Strippe zu bekommen. Beal lebte abwechselnd bei seiner Großmutter, bei Freunden, im Freien oder im fernen Albuquerque, wo er sich eine Weile zur geistigen Sammlung zurückgezogen und mit Nachtportier-Jobs über Wasser gehalten hatte. Ein unregelmäßig erscheinendes Magazin, das sich der Abbildung von Fundstücken verschrieben hat, veröffentlichte eine Box mit Songs, Gedichten und Zeichnungen von Beal. Vor einem Jahr brachte die eigenwillige PR-Offensive endlich den gewünschten Erfolg. Der Vagabund konnte sein Debütalbum „Acousmatic Sorcery“ veröffentlichen und Hörern auf der ganzen Welt zeigen, dass ihn bescheidene Aufnahmebedingungen mit brüchigem Analog-Equipment in schlecht gelüfteten kleinen Räumen nicht im Geringsten stören. Warum sollten sie das auch? Er macht ja alles mit Unmengen von Herzblut wett. Mit einer Stimme, die so unbehandelt wie bei Blues-Sängern an der Straßenecke klingt und viel mit Tom Waits gemein hat. Dank dieser Waffe ist auch der professioneller eingespielte Nachfolger „Nobody Knows“ ein umwerfendes Erlebnis. Beal, der wegen seiner Wohnsituation schon Probleme hatte, die Freundin zu halten, bellt und brüllt sich in „Ain’t Got No Love“ spektakulär in Rage und streift so jedwede Pein ab.

Text: Thomas Weiland

Willis Earl Beal, ?Privatclub, Mi 25.9., 21 Uhr, ?VVK: 16 Ђ zzgl.  Gebühr 

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