Konzerte & Party

Wire im Live at Dot

in concertSchwer zu sagen, worüber man zuerst begeistert sein soll. Wire haben so viele Klassiker in die Welt gesetzt, dass man schon mal den Überblick verlieren kann. „Pink Flag“ ist ein Meilenstein des Punk, die melodische Klarheit in „Outdoor Miner“ überwältigt bis heute, und die rhythmischen Experimente auf der „Snakedrill“-EP sollte man auch nicht unterschätzen. Unter anderem deshalb sind Wire ewige Lieblinge des denkenden Rockfans. Blur, Elastica, Franz Ferdinand – sie alle und noch viele mehr haben sich über die Jahre bei diesen Granden bedient und wären ohne sie womöglich aufgeschmissen gewesen.
Heute muss man es der Band hoch anrechnen, dass sie nicht als lebende Jukebox durch die Gegend tingelt. Wenn Wire Lebenszeichen von sich geben, liefern sie komplett neue Songs ab, in denen sich wie gewohnt Popsensibilität und Avantgardementalität vermi­schen. So schaltete die Band nach der zweiten Reunion im Jahr 2000 zunächst wieder auf die raue Gangart ihrer ganz frühen Tage um. Mit dem aktuellen Album „Object 47“ relativiert sich dieser Eindruck wieder. Colin Newman gibt verschlüsselte Botschaften mit Cockney-Akzent von sich, Gra­ham Lewis wühlt unruhig am Bass, und Robert Gotobed liefert am Schlagzeug hyperpräzise
Bea­t­­s ab. Zusammengenommen klingt es weniger schroff, gerad­liniger und zum Teil auch elektronischer, in etwa so wie in den späten Achtzigern.
Einfach war es bestimmt nicht, wieder dieses hohe Niveau zu erreichen, denn Gründungsmitglied und Gitarrist Bruce Gilbert ist nicht mehr dabei und wurde nicht ersetzt. Aber es spricht für die Qualitäten von Newman & Co., dass sie auch mit einem Mann weniger noch richtig gutes Spiel abliefern.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Verlässlich gut


Wire
, Live At Dot, Di 24.3., 20 Uhr, VVK: 16 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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