Konzerte & Party

Wohnzimmerkonzert: Orange \Ear

Orange 'Ear

„Wenn wir auf Künstler treffen, bei denen wir das Gefühl haben, nur sie können diese Musik machen und sonst keiner, dann laden wir sie zu uns ein“, erzählt Frank Nagel. Gemeinsam mit seiner Frau Jo veranstaltet er seit vier Jahren die private und komplett unkommerzielle Konzertreihe Orange ’Ear. Sie findet im Wohnzimmer der beiden statt, einer 50 Quadratmeter großen Ladenfläche in der Scharnweberstraße in Friedrichshain. Rund 40 Leute finden dort Platz. Der Rest der Fläche wird von Kameras und Mischpult eingenommen. Um die Künstler angemessen zu entlohnen, werden die Konzerte nämlich professionell aufgezeichnet. „Wir haben festgestellt, dass da ein unglaublicher Bedarf besteht“, erklärt Jo. „An relativ gute Livevideos von sich zu kommen, ist für Underground- oder Newcomer-Acts gar nicht so einfach.“ Orange ’Ear verstehe sich daher auch als Support für die Musiker, ergänzt Frank. „Viele Leute, die bei uns gespielt haben, nutzen das Material anschließend für Promozwecke.“ Die Veranstaltung und vor allem das Abmischen der Songs sind für das Paar mit sehr viel Arbeit verbunden. Trotzdem sehen sie Orange ’Ear als Win-win-Projekt für beide Seiten. „Für mich ist das wie ein Geschenk, so was machen zu dürfen“, sagt Jo. Vor allem der Kontakt zu den Künstlern sei immer wieder aufs Neue ein Abenteuer. Man komme mit so vielen spannenden und kreativen Leuten in Kontakt. Die russischstämmige Musikerin Mary Ocher ist eine von ihnen. „Wir haben Mary auf dem Boxi-Flohmarkt entdeckt und sind wie angewurzelt stehen geblieben. Uns war gleich klar: Die wollen wir haben“, erinnert sich Frank. Für Jo gehört der Auftritt von Singer-Songwriter-Loopartist Allie zu einem der faszinierendsten in der bisherigen Geschichte von Orange ’Ear. „Bei uns ist es immer recht konzentriert, allein schon wegen der Videoaufnahme. Das schätzen die Künstler auch sehr, weil sie normalerweise in lauten Bars spielen.“ Als Nächstes steht der Auftritt von Seсor Marküsen an, einem Didgeridoo- und Percussion-Künstler aus Barcelona, der seit einiger Zeit in Berlin lebt. Eine Woche später fährt die thailändische Lo-Fi-Musikerin Atariame auf. Sie beschreibt ihren Stil als Mix aus experimentellem Akustik-Rock gepaart mit Grunge und unabhängiger Loop-Musik.

Text: Henrike Möller

Foto: Claudia Brijbag

Seсor Marküsen, ?Orange ’Ear, Scharnweberstraße 47, Fr 25.4., 19.30 Uhr, gratis

Atariame?, Orange ’Ear, Scharnweberstraße 47, Fr 2.5., 19.30 Uhr, gratis 

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