Konzerte & Party

Wolfgang Müller in der NBI Bar

Wolfgang Müller

Die Liebe, sie ist alt geworden. Alt und grau. Aber man mag sie noch nicht ins Heim geben, „die fährt doch immer noch Fahrrad, die kommt doch immer noch klar“. So singt es Wolfgang Müller, 37-jähriger Songwriter aus Hamburg, mit dieser durch nichts zu erschütternden Stimme auf seinem dritten Album „Über die Unruhe“, erschienen beim eigenen Fressmann-Label, via Crowdfunding finanziert. „Immer noch Fahrrad“, in einer rein akustischen Version bereits auf dem Vorgänger „Ahoi“ zu finden, ruht auf akribischen Gitarrenzupfmustern. Wie viele von Müllers neuen Songs, wo sich dann Schlagzeug, E-Gitarre und Bass hinzuschleichen, sachte auch Klavier, Flöte, Geige. Bevor 2007 sein Debüt „In der Zwischenzeit“ erschien, hatte Müller, klassisch gitarrengeschult, den Popkurs an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater durchlaufen, übrigens gemeinsam mit Gisbert zu Knyphausen. Der Überschwang des Pop liegt dem Familienvater freilich fern. Müllers Sache ist nicht der erste Blick oder der zweite. Eher der fünfte, zehnte, hundertste. Wenn es gilt, mit dem auszukommen, was übrig ist, und sich trotzdem nicht zu verlieren oder gerade deshalb nicht („Fast wie von selbst“). Dabei hat man manch andere Melancholiker vor Ohren. Niels Frevert, Erdmöbel, deren „Trost im Stich“ Müller covert, Kante. Ganz selten auch Frank Spilker („Was Grünes“). Und „die hässlichsten Dinge sind wunderschön, wenn sie aufblühen, weil man sie liebt“ („Oben“ von „In der Zwischenzeit“). So teilt Müller seine sorgsam sortierten Momente derart beiläufig mit, dass sie oft nicht sofort im Ohr bleiben, nicht einfach so. Die wollen immer wieder neu erhört werden. Aber sie sind es wert.

Text: Erik Heier

Wolfgang Müller, NBI Bar, Do 7.2., 21 Uhr, VVK: 7 Euro zzgl. Gebühr

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