Konzerte & Party

Woodkid im Tempodrom

Woodkid_c_DanielSannwald03Zuletzt sind Yoann Lemoine ein paar dicke Aufträge durch die Lappen gegangen. Madonna, Rolling Stones und Black Sabbath fragten wegen einer Zusammenarbeit bei dem preisgekrönten Videoclip-Regisseur an. Doch Lemoine, den man inzwischen viel besser unter seinem Alias Woodkid kennt, sagte ab. Derzeit geht seine Zweitkarriere als Popmusiker vor; die hat in kurzer Zeit gewaltige Ausmaße angenommen. Den Anfang machte der Song „Iron“, der es 2012 im Internet zu millionenfachen Klicks brachte. Lemoine besingt darin mit melancholisch bebendem Soultimbre einen mythischen Trip durch archaische Natur, während sich im Hintergrund ein akustisches Drama um wuchtige Trommeln und Kirchenorgel zusammenbraut.

 
Aus ähnlich aufwühlendem Stoff besteht das Debütalbum „The Golden Age“. Statt handelsüblicher Rockinstrumente fährt der gebürtige Lyoner ein Symphonieorchester mit riesiger Percussion-Abteilung auf, samt glorioser Flöten-Arpeggien und Blechbläser-Fanfaren von Wagner’scher Wucht. So neoklassisch das Album anmutet, so synthetisch ist es im Kern.


Die Studioaufnahmen mit zwei französischen Orchestern hat der 30-Jährige in ihre Einzelteile zerlegt, verfremdet und mit digitalen Klängen fusioniert: So entsteht ein Sound-Hybrid, der fast zu perfekt erscheint. Ein gewünschter Effekt, wie der Kraftwerk-Fan betont: „Ich wollte, dass meine Musik kalt klingt“, erzählte er mal, „sie soll klassischer Musik ähneln, aber gleichzeitig völliger Fake sein.“ So kommt es, dass man beim Eintauchen in Woodkids herrlich bombastische Kunstwelten an großes Fantasy-Bilderkino а la Peter Jackson denkt.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Daniel Sannwald

Woodkid Tempodrom, Mo 11.11., 20 Uhr, ausverkauft

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