Konzerte & Party

Xavas in der Zitadelle Spandau

Xavas_c_KatjaKuhlWenn sich der deutsche Soul-Fürst und der King of Rap zusammentun, dann kann das nur in starken Sprüchen enden. Und so machen Xavas gleich zu Beginn ihres Albums „Gespaltene Persönlichkeit“ klar, mit wem man es hier zu tun hat. „Du wirst fühlen, das ist zu groß für dich, lass die Auserwählten ran“, singt Xavier Naidoo in unverkennbarem Schmelz mit Drang zum Gottesbezug. „Mehr Flows als der Geist verträgt, ich zerficke vor deinen Augen das Alphabet“, spittet Kool Savas in typischem Stakkato mit Drang zu Kraftausdrücken. So weit, so vorhersehbar. Am Ende ihrer musikalisch durchaus gelungenen Platte haben Xavas dagegen Inhalte platziert, die verstören: In „Wo sind sie jetzt?“ wollen sie Kinderschändern ans Leder, setzten aber, so lautet der Vorwurf, auch Schwule mit Pädophilen gleich – was die beiden vehement von sich weisen.

Auch an anderer Stelle bringen Xavas den Hörer ins Grübeln. So machen sie in „Mehr als sie“ ihrem Unmut über die Eliten Luft. Zugleich hat der so um moralische Integrität ringende Naidoo, der solo die Verquickung von Politik, Wirtschaft und Medien aufs Korn nimmt und in Interviews gegen Merkel, Obama oder Goldman Sachs wettert, mit genau jenen Milieus des Öfteren paktiert – etwa als Entertainer für die illustren Gäste des Sportlerballs, als Juror für die ProSiebenSat.1 Media AG oder bei gemeinsamen Charity-Aktionen mit Dietmar Hopp, jenem IT-Milliardär, der bei seinen Investitionen in Biotechnologie ausgerechnet mit den Bankiers von Goldman Sachs zusammenarbeitete. Wahrlich, eine gespaltene Persönlichkeit.

Text: Roy Fabian

Foto: Katja Kuhl

Xavas + Ken Kenay
Zitadelle Spandau, Fr. 30.8., 19 Uhr,
VVK: 32 Ђ zzgl. Gebühr

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