Konzerte & Party

Xiu Xiu im Festsaal Kreuzberg

Xiu Xiu

Normalerweise kommt niemand auf die Idee, ein sensibles Thema wie Abtreibung in einem Song direkt anzusprechen. Jamie Stewart aber hat es getan. Er versetzt sich in „I Luv Abortion“ in die Psyche einer Frau hinein, die den Zeitpunkt für die Geburt eines Kindes für verkehrt hält. Wie schwierig ihr die Entscheidung gefallen sein muss, lässt sich nicht nur an den Worten, sondern auch am derben und chaotischen Industrial-Rock im Hintergrund erkennen.
Stewart liebt so ein Szenario. Er blüht auf, wenn er auf Konfrontation gehen und Dinge ansprechen kann, über die man in den USA und andernorts nicht gerne redet. Über einen afghanischen Jungen zum Beispiel, der von amerikanischen Soldaten getötet wurde. „Politik tangiert uns alle. Sie ist Teil unseres Lebens, also schreibe ich darüber. Ich halte nichts von fiktiven und zu vagen Texten. Nur wenn man aus dem wahren Leben berichtet, ist man wirklich mit Leidenschaft bei der Sache und schafft man eine direkte Verbindung zum Publikum“, findet Stewart, der mit seiner Band Xiu Xiu seit dem Jahr 2000 konsequent diesen Weg geht.
Nie weiß man, was bei ihm als Nächstes kommt. Stewart ist ein Jongleur, der je nach momentaner Lust und Laune mit Einflüssen aus Achtziger-Avantgarde, Kinothriller-Soundtracks, verstümmeltem Folk, Metal, Vaudeville, Electronica und Jazz hantiert. Dazu sorgt seine theatralische Stimme für weitere Reizpunkte. Hier wird in jeder Hinsicht das Anderssein zelebriert.

Text: Thomas Weiland

Foto: Jeremy Lange

Xiu Xiu, Festsaal Kreuzberg, Mi 11.4., 21 Uhr, VVK: 16 Euro

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