Experimentelles Geballer 

Xiu Xiu spielen in der Kantine am Berghain

Arschlochkinder: Angesichts der ganzen Scheiße da draußen sorgen Xiu Xiu für kathartische Momente

Promo

Die Experimentalband Xiu Xiu hat sich einst nach der Protagonistin eines chinesischen Arthousefilms benannt, der während der Zeit der Kulturrevolution Schreckliches und immer nur noch Schrecklicheres widerfährt. Der Name passe deshalb so gut, sagte Jamie Stewart, Kopf der Band, einmal, weil auch der Sound Xiu Xius die „verfluchte Wirklichkeit“ abbilde: „Das Leben hält manchmal nur das Schlimmste bereit.“

Darin ist sich das kalifornische Quartett bis zum mittlerweile 14. Album treu geblieben. „Girl with Basket of Fruit“, das Anfang Februar erschien, ist eine oft verstörende Mischung aus Noise, EBM, Dark Wave, Neuer Musik und Hochglanzpop. Scheppernde Industrialbeats treffen da auf dissonante Streicher, fast Gabba-mäßiges Geballere auf flirrende Synthesizer. Dazu singt Stewart in verschiedenen Stimmlagen, mal winselnd, dann ächzend, mal stotternd, dann schreiend. Der Einfluss von David Lynch, dessen „Twin Peaks“-Soundtrack Xiu Xiu 2016 auch neu vertonten, klingt in Stewarts unheimlich anmutender Stimme an.

Derart fies hören sich Xiu Xiu – gesprochen „Schu Schu“ – auch deshalb an, weil sich die Band auf dem neuen Album mit den jüngeren globalen Entwicklungen auseinandersetzt. Die Menschheit, konstatieren sie, hat sich nicht gerade zum Besseren entwickelt, sie produziert wie schon vor 100 Jahren Gewalt und Rassismus (wie man im Song „Mary Turner“ hören kann), sie bringt weitere Arschlochkinder hervor („Pumpkin Attack On Mommy And Daddy“), und sie ist kaum noch zu Empathie und Liebe fähig („Normal Love“). Mögen uns Xiu Xiu doch zumindest live ein paar kathartische Momente bescheren.

Kantine am Berghain Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Mi 13.3., 20.30 Uhr, VVK 19,80 €

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