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Yeasayer im Postbahnhof

YeasayerWoodstock heißt der Ort, an dem sich Yeasayer monatelang verschanzten, um ihr neues Album aufzunehmen. Im Jubeljahr des Hippie-Pilgerortes wirkte das nur stimmig. Wo Yeasayer sich doch eingeprägt hatten als freundlich-bunter Haufen mit Bongos, Rasseln und Gesängen aus vielen Kehlen. Umso überraschender nun der radikale Stilwandel auf ihrem zweiten Album. Statt warm tönender Neohippie-Ästhetik liefert das Brooklyner Trio auf „Odd Blood“ knapp getrimmte Pop­stückchen, die unter der Discokugel prächtig neben Gossip oder MGMT passen. Und wie war das gleich mit Woodstock? „Das liegt einfach nahe für Bands aus New York, die mal in aller Ruhe arbeiten wollen“, erzählt Gitarrist und Ko-Songwriter Anand Wilder. „Wir haben uns dort in ein schönes Studio im Grünen zurückgezogen, hatten alles, was wir brauchten.“ Gut, dass der lauschige Aufnahmeort einem alten Rhythmus-Veteranen gehörte, dem Stammtrommler für Peter Gabriel. „So sah es dort auch aus“, schwärmt Wilder. „Allein an Drums und Percussion gab es eine Riesenauswahl, mit der wir experimentieren konnten. Vielleicht findet sich auf der Platte ja ein bisschen was von Peter Gabriels Offenheit, auch Obskures auszuprobieren, wie etwa Steel-Pans.“
Kein Vergleich zum früheren Do-it-yourself-Ansatz, „da besaßen wir nur ein einziges ärmliches Mikrofon“. Neu ist auch, dass Chris Keatings Gesang erstmals klar an die Front rückt, mit überraschend romantischem Timbre. „Vorher hatten wir unsere Stimmen immer möglichst tief im Mix versteckt, damit man sie bloß nicht zu genau hören kann!“, lacht Wilder. Kindheitsfreund Keating macht jedenfalls eine gute Figur als Coverboy im Stile eines Andy Bell oder Martin Fry. Eine Rückkehr in den Massenchor dürfte ihm hernach schwerfallen.

Text: Ulrike Rechel

Yeasayer, Postbahnhof, Mi 10.3., 21 Uhr, VVK: 17,20 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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