Konzerte & Party

Yo La Tengo im Heimathafen

Yo La Tengo

Ein Dutzend Jahre bevor es Facebook gab, entstand 1990 „Fakebook“ – das Album von Yo La ?Tengo (YLT). Faker nennt man heute ja Trickbetrüger, die im Internet falsche Social-Media-Profile anlegen. 1990 waren es einfach sprücheklopfende Straßenhändler oder Jahrmarktsschreier. In jedem Fall stapelten YLT mit dem Titel tief, denn sie fakten fremde und eigene Songs nicht, sondern erfanden sie mit frischem Blick neu. Und die Platte brachte verdientermaßen den Durchbruch für die amerikanischen Indie-Rocker mit den eingängigen, polyphonen Melodien und der Prise Noise, die sie stets vor dem Kitsch bewahrte. Zum 30-jährigen Band-Jubiläum holt das Trio jetzt auch sein einstiges Mitglied Dave Schramm zurück – zunächst für das Album „Stuff Like That There“ und nun für die Welttournee. Wir hören nun also (und vielleicht nie wieder) neben Ira Kaplan an der Akustik-Gitarre und Georgia Hubley hinter einem reduzierten Drum-Kit, James McNew am Kontrabass auch wieder Dave Schramm an der E-Gitarre. Singen können sie ja sowieso alle.
Das Konzept ist quasi ein Cover, kein Fake ihres „Fakebook“-Konzepts: Coverversionen anderer Bands und Remakes eigener Songs und ein paar Neuheiten. Aus all den Nummern holen YLT tatsächlich etwas Neues heraus, wie es auf vergleichbare Weise vielleicht nur Ryan Adams oder Scott Matthew können. Sie verpassen den Liedern tatsächlich neue Gesichter. Faces statt Fakes.

Text: Stefan Hochgesand

Yo La Tengo, Heimathafen, Karl-Marx-Str. 141, Neukölln, Di 27.10., 21 Uhr, ausverkauft

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