Konzerte & Party

„young/and/lost“ im Festsaal Kreuzberg

DJ Alex & DJ Fabian

Jeder kennt das: Man steht mitten auf einer Tanzfläche, eingekeilt, man kriegt die Arme nicht mehr runter, so eng ist es. Und dann fällt einem der Song ein, den man unbedingt hören will und den man sich jetzt sofort beim DJ wünschen möchte. Aber keine Chance. Selbst wenn: Gespräche mit DJs sind akustisch betrachtet äußert problematisch und scheitern nicht zuletzt am Unwillen der Auflegenden, überhaupt irgendwelche Wünsche zu erfüllen.  
Nicht so auf den young/and/lost-Partys, zumindest nicht mehr. Denn das Duo DJ Alex und DJ Fabian haben für ihre Partyreihe eine App entwickelt, die young/and/lost-App, über die man sich Songs wünschen und ein Live-Feedback abgeben kann. „Natürlich heißt das nicht, dass wir dann auch jeden Wunsch erfüllen“, sagt Fabian Lucas. „Aber meistens. Und wir schreiben immer zurück.“
Young And Lost2006 haben Alex Buchholtz, 29, und Fabian Lucas, 31, als erste wirkliche Karrera-Klub-Konkurrenz Berlins Indie-Partyszene betreten. Im Grünen Salon, in dem sie als young/and/lost zunächst alle zwei Wochen auflegten, war an ausgefallene Tanzperformances nicht mehr zu denken. Man schob sich im Pulk vom Eingang zur Tanzfläche, von dort zur Bar und wieder zurück. Besonders junge Leute zwischen 18 und Mitte 20 entdeckten die young/and/lost-Partys als ihr neues Lieblingsziel am Wochenende. Und das ist nach wie vor so. Jetzt feiert das DJ-Team seinen fünfjährigen Geburtstag im Festsaal Kreuzberg. Aus der Konkurrenz zum Karrera Klub ist eine Zusammenarbeit geworden, die beiden bespielen einmal im Monat einen Floor beim Club NME im Magnet/Comet. Dass sie vor allem bei den Jüngsten im Berliner Nachtleben so gut ankommen, mag zum einen an der Musikauswahl liegen. „Wir spielen nichts, was älter ist als ein Jahr“, sagt Buchholtz. „Pro Party legen wir immer fünf bis zehn Lieder auf, die wir noch nie gespielt haben.“ Keine ollen Indie-Klassiker wie Oasis oder Mando Diao also. „Kaum noch was mit krachenden Gitarren“, sagt Buchholtz, sondern alles, was elektronisch und mit Synthesizern abgemischt wird, alles, was gerade als hip gilt: Is Tropical, Casiokids, FM Belfast, La Roux, Beat! Beat! Beat!. Zum anderen liegt es daran, wie sie für ihre Partys Werbung machen. Buchholtz und Lucas sind keine Digital Natives: Als sie in den 80er-Jahren aufwuchsen, gab es kein YouTube, kein Facebook, keine Handys und schon gar keine Smartphones. Aber wie die meisten ihrer Generation haben sie es von Anfang an verstanden, die neuen Medien für sich zu nutzen und auszunutzen. Und sie wirksam mit der analogen Welt zu verbinden. Ihre ersten Fans haben sie noch über StudiVZ akquiriert. Mittlerweile sind sie natürlich bei Facebook, über 1?000 Gefällt-mir-Klicks hat ihre Seite. Kurz vor jeder young/and/lost-Party taucht ein YouTube-Video im Netz auf: Touris im Park, Studenten auf einem Dach, ein Drogensüchtiger, ein Punk, ein Mädchen in voller Montur unter der Dusche oder ein Kind kündigen den nächsten Termin an. Über 100 dieser Videos haben sie in den vergangenen fünf Jahren veröffentlicht, jedes von ihnen wurde mehrere Hundert Male aufgerufen.
Außerhalb des Internets verteilen sie massenweise Flyer, kleben Wegweiser von der U-Bahn-Station bis zum Club-Eingang. Auf den Partys werfen sie mit einem Beamer Interpret und Titel an die Wand, sobald sie zu Hause sind, laden sie die komplette Playlist des Abends auf ihrer Website hoch. „Andere DJs lassen sich ja ungern in die Karten gucken“, sagt Buchholtz. „Aber wir wollen die Musik, die wir toll finden, unter die Leute bringen. Wir wollen ja schließlich auch, dass die Leute tanzen.“ Und deswegen gibt es jetzt auch die wohl erste DJ-App weltweit. Wenn man es schafft, trotz überfüllter Tanzfläche die Arme wieder runterzunehmen und im Smartphone rumzutippen, dann kann man sich sogar ein bisschen in die Playlist des Abends einmischen.

Text: Katharina Wagner

Foto DJ Alex und DJ Fabian: Oliver Wolf

Foto unten: Yound And Lost

Fünf Jahre Young/and/Lost, Festsaal Kreuzberg, Sa 12.11., 23.30 Uhr, AK: 7 Euro, Cheaplist: 4 Euro

Anmeldung über www.youngandlost.de, App kostenlos im iTunes-Store

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