Konzerte & Party

Young Fathers in der Volksbühne

Young Fathers

tip Nur ein Jahr ist seit Ihrem Durchbruch mit „Dead“ vergangen, schon veröffentlichen Sie Ihr nächstes Album. Warum geht bei Ihnen alles schneller als bei vielen anderen Bands?
Alloysious Massaquoi?Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen, auch nicht durch Preisverleihungen. Die britischen Musikkritiker wählen jedes Jahr das ihrer Meinung nach beste Album und überreichen dafür den Mercury Prize. 2014 fiel die Wahl überraschend auf uns und „Dead“.

tip Andere Kandidaten waren Damon Albarn, FKA twigs und Anna Calvi. Gegen diese Konkurrenz setzt man sich nicht leicht durch. Haben Sie den Gewinn entsprechend gefeiert?
Alloysious Massaquoi Für uns fiel diese Entscheidung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wir befanden uns mitten im Prozess der Fertigstellung des nächsten Albums und plötzlich kam diese Medienhysterie auf. Alle wollten etwas von uns. Wir haben uns aber keine Feierstimmung aufzwingen lassen. Unser Ziel ist es, möglichst lange gute Musik zu machen. Wir wollen die Band ständig weiterentwickeln und uns nicht von einem Preis blenden oder ablenken lassen.

tip Sie haben das Album nicht nur in Ihrer Heimatstadt Edinburgh aufgenommen, sondern auch in den USA und in Australien. In Berlin gaben Sie dem Material den letzten Schliff. Warum fiel Ihre Wahl auf das ZKU, das Zentrum für Kunst und Urbanistik auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Moabit?
Graham Hastings
?Wir haben nach einem Ort gesucht, der nicht nur ein Aufnahmestudio beherbergt. Wir wollten ein Gebäude, in dem man genügend Freiräume hat, wenn man in Ruhe nachdenken will. Das Gelände liegt mitten in der Stadt, aber man merkt es nicht. In der direkten Umgebung stehen große Fabriken und auf den Straßen sieht man nicht übermäßig viele Leute. Das war ideal für uns.

tip Hat der Geist, dem man in dieser Stadt begegnet, Ihre Musik beeinflusst?
Graham Hastings?Uns ging es nicht darum, ein Klangbild der Stadt zu erforschen, das sich als Arbeitsgrundlage anbietet. Wir hatten vieles schon vorher vorbereitet. Trotzdem haben wir etwas vom Stadtleben gespürt, besonders am 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer. Das hat uns sehr beeindruckt.

tip Ihr neues Album heißt „White Men Are Black Men Too“. Warum haben Sie einen Titel gewählt, der Anlass zu Diskussionen gibt?
Alloysious Massaquoi Diskussionen – genau um die geht es uns. Popmusik ist nicht zuletzt auch eine Plattform, auf der sich offene Gespräche entwickeln können. Wir wollen diesen Prozess forcieren. Der Pop von heute kann mehr Sinn und Verstand gebrauchen.

tip Waren Sie in Edinburgh denn oft Zielscheibe von Rassismus?
Alloysious Massaquoi Ich habe mich in Schottland als schwarzer Junge nie grundsätzlich angegriffen gefühlt. Vereinzelt gab es Momente, in denen ich als Nigger oder schwarzer Bastard bezeichnet wurde. Ich habe mich davon aber nicht irritieren lasen. Idioten, die Unsinn erzählen, gibt es überall. Andererseits gibt es immer wieder viele wunderbare Leute, die dafür sorgen, dass man negative Einstellungen vergisst, denen man ausgesetzt ist.

Interview: Thomas Weiland

Young Fathers, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, So 14.6., 20 Uhr, ?VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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