Konzerte & Party

Zinnschauer in der Kantine Berghain

Zinnschauer

Jakob Amr ist Mitte zwanzig und hat schon zwei prägende Trennungen durchlitten: zunächst die seiner Hamburger Post-Rock-Band, mit der er große Hoffnungen verknüpfte, schließlich das Ende einer Beziehung. Beide Schlüsselerfahrungen sollten den Stein ins Rollen bringen für Amrs Soloprojekt: Zinnschauer nennt sich die Ein-Mann-Band, mit der er sich auf sympathische Weise gegen gängige Genrekategorien sperrt. Zentral ist die Sprache, in der sich das Bildhafte von Märchen mit expressionistischer Freistil-Lyrik verbindet. Als Begleitung genügt Amr eine Western-Gitarre, der er eine Menge abfordert: ob harte, von der E-Gitarre geschulte Pickings, ätherische Melodie-Passagen oder Percussion-Einlagen samt Holzschlägel. Verknüpft mit labyrinthischen Melodien und dem Wechsel zwischen gesprochenen Passagen und Schrei-Ausbrüchen ist das alles andere als gewohnter Stoff – funktioniert aber auf dem Debütalbum erfreulich gut. Auf „Hunger.Stille“ klingen die Songs denn auch so, als zupfte sich ein Flamenco-Gitarrist durchs Songrepertoire der Prog-Metaller Mars Volta. Damit reiht sich Zinnschauer in eine Reihe junger Truppen ein, die die Stilsprache amerikanischer Neo-Prog-Rocker mit deutschen Texten verkuppeln: Captain Planet etwa oder die Hannoveraner The Hirsch Effekt, mit denen Zinnschauer schon eine Split-EP veröffentlichte, ein Jahr vor seinem Albumdebüt. Seiner alten Band weint Amr inzwischen nicht mehr nach, wo er doch gerade einen Produktivitätsrausch erlebt.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Christoph Eisenmenger

Zinnschauer, Berghain Kantine, Rüdersdorfer Straße 70, Friedrichshain, Mi 14.1., 19.30 Uhr, VVK: 9 Euro zzgl. Gebühr

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