Konzerte & Party

Zola Jesus im Berghain

Zola Jesus

Dieser Tage gingen die letzten Freiluft-Popfestivals des Jahres zu Ende. Sie prägten sich ein wegen spannender Newcomerinnen mit großen Stimmen und düsterer Aura: Bands wie Warpaint, Austra, Esben & The Witch, Sängerinnen wie Anna Calvi, Chinawoman oder My Brightest Diamond zählen zu den neuen Sirenen. Sie setzen den frohlockenden Folk-Kollektiven aus Kanada und Brooklyn ein kühl umwehtes Schattenreich entgegen mit Protagonistinnen, die dem Alltag gänzlich entrückt scheinen.
So sehr blüht die Faszination für radikal subjektiven Ausdruck, fürs Übersinnliche, dass Musikkritiker gar nicht mehr nachkommen, neue Begriffe zu erfinden wie Neo-Goth, Chillwave oder Witch House. Im Heer düsterer Sirenen mit musicalreifen Stimmen ist Nika Roza Danilova alias Zola Jesus eine der eigenwilligsten. Die Amerikanerin mit Stilanleihen bei Goth- und Industrial-Pionieren wie Siouxsie Sioux oder Bauhaus veröffentlicht dieser Tage ihr zweites Album „Conatus“ – nicht mal ein Jahr nach ihrem eindrucksvoll stilsicheren Debüt „Stridulum II“.
Beim englischen „Bestival“-Open Air stellte die 22-Jährige mit dem tiefen Timbre erstmals neue Songs vor, das allerdings mit harter Konkurrenz auf der Hauptbühne: Zeitgleich lieferte Björk eine Kostprobe ihres neuen Werks „Biophilia“, gehüllt in eine galaktische Alien-Robe nebst elektrifizierter Harfe als Gürtel-Element und kupferrotem Koboldschopf.
Nun ist Zola Jesus freilich selbst eine Freundin dramatischer Selbstinszenierung: Für das 3D-Cover ihres Debüts etwa ließ sie sich mit flüssiger Schokolade übergießen, posierte als Fernverwandte von Sissy Spa­ceks Horrorfilm-Alter Ego „Carrie“. Auf der Hülle der Nachfolger-Platte wirkt sie dagegen wie ihr persönliches Yin zum Yang: als hell gleißendes Engelswesen in wehenden Stoffen, die schwarze Mähne flachsblond gefärbt. Auch musikalisch erprobt die Wahlkalifornierin mit russischem Familienstammbaum Neues und erweitert ihren Lo-Fi-geprägten Elektropop um dezente, warm tönende Streicher. Überraschend mühelos verbinden sich die klassischen Zutaten mit knirschendem Industrial-Noise und 80er-Synthies: Songs wie „Vessel“ oder „Ixode“ rollen als epische Slowburner voran. Noch selbstbewusster und grandioser als zuvor verkörpert Zola Jesus die Dark-Dance-Diva.

Lesen Sie den vollständigen Artikel „Schöne neue Schattenwelt“ über Zola Jesus, Anna Calvi, Marissa Nadler und Tori Amos im aktuellen tip 21/11 auf den Seiten 76-77.

Text: Ulrike Rechel

Zola Jesus, Berghain Panorama Bar, Do 29.9., 21 Uhr, VVK: 16,90 Euro

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