Konzerte & Party

Zola Jesus im HAU 1

Zola Jesus

Es war ein Frühlingsabend im Mai, an dem für Nika Roza Danilova alias Zola Jesus alles göttlich zusammenpasste: der Ort, ihre Mitstreiter und das spannende Gefühl einer Uraufführung. Spielort war das Guggenheim Museum in New York mit seinem schneckenförmigen weißen Inneren. Auf dem Podium, wo die 23-Jährige sonst ihr Elektronik- und Tasten-Arsenal einrichtet, nahmen die Streicher des Mivos Quartets Platz sowie ihr Dirigent: Industrial-Ikone JG Thirlwell alias Foetus. Zusammen mit dem futuristischen, von innen illuminierten Gewand der Sängerin mit dem starken Mezzosopran wirkte der Auftritt wie eine wundersam zum Leben erwachte Kunstinstallation. Offenbar erlebte Danilova ihren „Unplugged“-Auftritt mit Songs ihrer bisherigen zwei Alben selbst als eine Art Erweckung. Purer und intensiver nahm sie ihren eigenen Gesang wahr, den man auf ihren Alben nur in Begleitung lodernder Elektro-Klänge hört oder tief in kathedralenhaften Hall getaucht. Im Zusammenspiel mit der teils strengen, teils expressiven Kammermusik von Noise-Experte Thirlwell rücken Danilovas schöne Gesangsmelodien klar ins Rampenlicht: Näher und ungeschminkt wirkt das; ein Hauch Wärme kommt auf, wo zuvor die Atmosphäre einer unheimlichen Kühlhalle herrschte. Aus dem Museumsabend entstand die Idee für ein neues Album. Auf „Versions“ bleiben vom vertrauten Goth Pop nur noch dezente Drumbeats und Multitrack-Vokaleffekte übrig. Ansonsten rückt das Mivos Quartet zum behutsamen Mitspieler auf. Wie das live klingt, stellt Zola Jesus jetzt bei ihrem einzigen Deutschland-Auftritt in Berlin vor.

Text: Ulrike Rechel

Zola Jesus, ?HAU 1, Sa 5.10., 19.30 Uhr, ?VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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