Konzerte & Party

Zusammenarbeit: Bela B und Smokestack Lightnin\

Smokestack Lightnin'

Das ist eigentlich eine normale Sache: nach dem Konzert geht der Fan an den Merchandising-Stand und macht der Band, die hier noch alles selber verkauft, Komplimente. Cooler Sound, gute Songs und so weiter. In diesem Fall aber wurde der Fan sofort erkannt, denn es war Bela B von den Ärzten und er fügte seinen Avancen hinzu: Wir müssen mal was zusammen machen. Haha, du Luftbläser, dachte Bernie B. von der Nürnberger Band Smokestack Lightnin’ und trank ungerührt sein Bier weiter. Drei Monate später aber zeigte sich, dass der Herr Felsenheimer, wie Bela B im bürgerlichen Leben heißt, ein Mann von Ehre ist und keine Luft bläst. Er lud die Band ein, bei der Tour zu seinem ersten Soloalbum „Bingo“ die Vorband zu machen. So lernt man sich kennen und – in diesem Fall – schätzen. „Er ist ja ein Freak wie wir – mit seiner Comicsammlung, der Liebe zu trashigen Ami-Filmen, also der hat schon Ahnung von unserer Kultur“, sagt Bandleader Bernie Batke und zählt mindestens drei gemeinsame Helden auf: Lee Hazlewood, Dick Dale und Chris Spedding.  
Bela BSmokestack Lightnin’ gibt es seit Mitte der Neunzigerjahre, sie sind dem durch die Stray Cats begründeten Revival der Rockabilly-Szene erwachsen. Stars als Frontmen sind kein Neuland für sie, denn als im Zuge eben dieses Revivals Überlebende der original Memphis Sun-Records-Szene auf Tour durch Europa gingen, wurden sie als Backing-Band gebucht. Zum Beispiel für Eddie Bond, der schon mit Elvis Presley und Johnny Burnette spielte. Rockabilly-Gitarrist Joe Clay, ebenfalls auf Elvis’ Alben zu finden und ansonsten aktiv in New Orleans, fand späten Ruhm in Europa, auch dank Smokestack Lightnin’. Sie sind zwar beheimatet in Nürnberg, aber das Ohr haben sie weit im Westen. Fünf Alben haben sie im Laufe der Zeit mit ihrem Modern Twang produziert, mit eigenen Songs, aber auch ohne Scheu vor Dylan, den Beatles oder Tom Waits; das Cover seines Songs „Walk Away“ brachte sie sogar mit dem Roadmovie „The Big Empty“ bis nach Hollywood. Das aktuelle, sechste Album „Stolen Friends“ glänzt nicht nur durch kenntnisreiche Songauswahl, unter anderem covern sie Jim Sullivan und Sixto „Sugarman“ Rodrнguez, sondern sie nahmen es zudem vor Ort in Nashville auf, mit den Gitarristen Eddie Angel (Los Straitjackets) sowie dem virtuosen Neotraditionalisten Paul Burch (Lambchop) als prominente Gäste. Damit können die Nürnberger selbst in den USA punkten.
Daheim, im Land von The BossHoss und Texas Lightning, mangelt es ihnen sowieso nicht an Selbstbewusstsein. Hier nun kommt Bela B wieder ins Spiel. Der wollte für sein drittes Album einen Schritt weiter gehen. Weg von den fröhlichen Dur-Rockakkorden der Ärzte hin zum komplexeren Rock’n’Roll der 50ies- und 60ies-Prägung. Uptempo Soul Beat, rauer Kick Country der Marke Johnny Cash und das Ganze natürlich auf – Deutsch. Schlechtes Englisch kann schließlich jeder, und was zwischen Nürnberg und Hamburg ausgefuchst wurde in einer Zeitspanne von mittlerweile vier Jahren, das soll definitiv etwas Besonderes werden. Mit dem typischen Bela-B-Humor, ein bisschen Trash, ein bisschen Sex, viel Retro und noch mehr Rock’n’Roll. Da kommt auch mancher Song endlich zum Zuge, der zuvor von der Ärzte-Demokratie verschmäht wurde. Die große Herausforderung dieser Kombination liegt in der Balance zwischen dem Popmaschinen erprobten Erfolgsmenschen, der Gitarren nicht unter sechs Spuren produziert, Chöre und Perkussion gerne flächendeckend einsetzt, und auf der anderen Seite die spielfreudigen, Club erprobten Rock’n’Roller mit ihrer Liebe zum unverfälschten, ungekünstelten Sound – da mussten alle lernen aufeinander zuzugehen. Noch lässt das Ergebnis dieser vielversprechenden Verbindung von Pop und Purismus auf sich warten, die Veröffentlichung des noch namenlosen Albums ist für 2014 vorgesehen. Mit dabei ist dann auch Peta Devlin von den Hoodoo Girls, ebenso bei der jetzt startenden Clubtour. Die ist zwar nur kurz, aber mit Sicherheit knackig.

Text: Christine Heise

Foto Bela B (unten): Konstanze Habermann

Bela B & Smokestack Lightnin’

?Bassy, Di 01.10., 20 Uhr, ausverkauft

?Postbahnhof, Sa. 05.10., 20 Uhr, VVK: 18 Euro zzgl. Gebühr

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