Konzerte & Party

Zwei Tage Berlin Festival 2013

Berlin Festival 2013

Zum achten Mal steigt an diesem Freitag und Samstag (06. + 07.09.13) das Berlin Festival. Zum vierten Mal stehen die Stages auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Das Wetter ist so, wie es Anfang September nicht besser sein könnte und wir sind live vor Ort. Aktuelle Konzertkritiken, Fotos von den Konzerten und alles rund um das Festival mitten in der Stadt findet Ihr auf dieser Seite.
Erster Höhepunkt des Freitagabends waren mit Sicherheit die Lokalmatadoren von Mia., bei denen Sängerin Mieze nicht nur mit schrillen Kostümen und großen Gesten auffiel, sondern auch stimmlich bis in höchste Sphären durchaus zu überzeugen wusste. Die Berliner luden in den Pop-Zirkus und die Menge folgte willig.
Kontrastprogramm gab es parallel auf der Hangar-Stage, wo Get Well Soon sphärisch eher düster ihr Konzert einleiteten, dafür vom Glockenspiel über die Violine bis hin zur Mini-E-Gitarre so ziemlich alles aufboten, was durchdachte, melancholische Pop-Musik so verlangt.
Eine erste große Menschenmenge wartete dann vor der Hauptbühne auf die Pet Shop Boys. Neil Tennant zeigte sich in stacheliger Jacke bestgelaunt und freute sich ganz offensichtlich, wieder in Berlin zu sein. Mit oppulenter Lasershow wurde ein wahres Hit-Feuerwerk abgefeuert, bei dem weder die „West End Girls“, noch „Being Bored“ fehlen durften – begleitet von zwei Tänzerinnen in verschiedenen Kostümen und leider auch von einzelnen Tonaussetzern. Doch die Pet Shop Boys sind lange genug im Geschäft, um sich von technischen Unwegbarkeiten aus dem Konzept bringen zu lassen und brachten ihre Show souverän zu Ende.
Kontrastprogramm gab es im Anschluss wieder im Hangar. Ex-Faith No More-Frontmann Mike Patton rockte mit seiner Formation Tomahawk das Flughafengelänge und strapazierte dabei seine Stimmbänder wieder gewohnt in alle Extreme. Mal brüllend, kreischend und überschlagend, dann wieder ruhig, sanft und im sonoren Bass. Dazu harte Gitarren, denen auch Jazzelemente nicht fremd sind – eine runde Sache, die durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie Mike Patton und seine nicht mehr ganz so neuen Mitstreiter bisher erregen konnten.
Blieben am Ende des Abends in Tempelhof: Blur. Der ein oder andere Pet Shop Boys-Fan mag sich gefragt haben, warum die Briten den Vorzug als TopAct des Abends bekommen haben, doch kaum hatte Frontmann Damon Albarn zu Beginn der Show den Klassiker „Girls&Boys“ angestimmt, war die Frage eigentlich schon beantwortet. Das Quartett zeigte in einem fulminanten Gig, warum man sich Britpop nur schwer entziehen kann. Zehn Jahre sind seit dem letzten Blur-Album inzwischen vergangen. Der Auftritt in Berlin lässt hoffen, dass es bald neues Material geben wird. Es wird Zeit und das merkten hoffentlich auch Albarn und Co. Würdig abgeschlossen und das Festival noch einmal beben lassen, haben sie jedenfalls mit ihrem letzten Song: Song No. 2.
Auch der zweite Tag auf dem Berlin Festival hielt, was das Line-Up versprach. Während die White Lies auf der großen Hauptbühne noch etwas verloren wirkten und damit kämpften, dass sich die Leute am Nachmittag ansichtlich der sommerlichen Temperaturen noch nicht so recht bewegen wollten, boten Savages im Hangar reichlich Post-Punk-Attitüde. Treibende Bässe, eine fiepende Gitarre und dazu die sphärische Stimme von Sängerin Jenny Beth. Vier musizierende Frauen in schwarzen Klamotten – da freuten sich nicht nur die Ohren.
Für das erste Gedränge vor der Hauptbühne sorgte am frühen Abend dann Deutschrapper Casper. Der Bielefelder zeigte eine grundsolide Show irgendwo zwischen Rock, Pop und HipHop und konnte dennoch nicht verhindern, dass die älteren – pardon: reiferen – Semester des Publikums etwa zur Hälfte der Show den Weg ans andere Ende des Festivalgeländes suchten. Dort zeigten My Bloody Valentine im Hangar, wo rocktechnisch der Hammer hängt. Die Band um Leader Kevin Shields schichtete ihre Wall Of Sound sorgfältig und Ebene für Ebene auf und brachten die Menge in ekstatische Verzückung.
Und da war sie dann – natürlich nicht, ohne ihr Publikum ganz einer Diva entsprechend, ein paar Minuten warten zu lassen: Björk. Die Isländerin betrat die Bühne mit extravagantem Kopfschmuck, der ein wenig an die Kugeln mit den Leuchtdioden erinnerte, wie man sie in den 1970er Jahren in jedem deutschen Wohnzimmer fand. Dazu Plateauschuhe und ein gelbes Kleid mit weiten Ärmel, das bei genauer Betrachtung ein wenig über den Bauch spannte. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben, war man natürlich vor allem auf die Show gespannt – und wurde nicht enttäuscht. Das Ganze glich eher einer Kunstperfomance, denn einem Live-Konzert, ließ sich zunächst recht ruhig und vor allem tragend an, kam aber mit zunehmender Dauer mehr und mehr in Schwung und steigerte sich am Ende sogar in den Einsatz von Pyrotechnik. Das Publikum jubelte, Björk war glücklich und ließ sich sogar zu einer Zugabe bitten – was auf Festivals ja eher ungewöhnlich ist. Schade nur, dass die Isländerin es nicht mag, dass man während ihrer Show fotografiert – so können wir in unserer Bildergalerie unten leider nur den Hinweis zeigen, mit der die Künstlerin vor der Show um Verständnis bat. Aber haben wir doch gerne, das Verständnis, liebe Björk.

Dass am Ende des Abends und damit zum Ende des diesjährigen BerlinFestivals in Tempelhof dann noch Fritz Kalkbrenner auf der Hauptbühne aufgelegt hat, hat den Großteil der Festivalbesucher nicht mehr so interessiert.

Text und Fotos: Martin Zeising

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