Theater und Bühne in Berlin

Kreative in der Krise

Keren Cytters "Show Real Drama" ?eröffnet die Saison im HAU.

Show Real Drama im Hau Berlin

Während das Deutsche Theater zum Saisonauftakt Girlanden um einschlägiges Großvokabular („Demokratie“, „Krieg“ etc. pp.) dreht  und die Schaubühne schon mal den Silvesterschwank vorwegnimmt, startet die freie Szene am HAU mit einem vergleichsweise identifikationstauglichen Cast in die neue Spielzeit: Der Eröffnungsabend „Show Real Drama“ dreht sich um zwei arbeitslose Schauspieler. Bereits seit dem Studienabschluss komplett engagementfrei beschließen Susie und ihr Kollege Fabian in Ermangelung anderer Betätigungsfelder, ein selbst inszeniertes Demoband aus ihren Lieblingsszenen zu erstellen. Und während die Zuschauer die prekären Kreativbranchler, die früher auch mal ein Paar waren, beim Werkeln an ihrem besagten Showreel beobachten, das – Kunst ist ja bekanntlich in jeder Hinsicht harte Arbeit – durchaus auch mal in Prügeleien ausarten kann, driften Job und (verspätete) Beziehungsaufarbeitung, Bühnen- und Privatdrama, Wirklichkeit und Fake natürlich zusehends unentwirrbar ineinander.
Denn schließlich haben wir es mit einer Performance der israelischen Künstlerin Keren Cytter zu tun, einer guten HAU-Bekannten noch aus der Lilienthal-Ära, die in Tel Aviv bildende Kunst studiert und ihre Werke bereits auf der Venedig-Biennale oder im New Yorker Guggenheim-Museum gezeigt hat. Und Cytters Installationen siedeln seit jeher in den Grauzonen, wo die Dinge erst wirklich interessant werden – und zwar auch für die angesagtesten Kräfte der freien Theaterszene, die sich ja zusehends am Link zur bildenden Kunst verorten.
Wie inspirierend Cytter im Rückgriff auf amtliche Cineasten-Heiligtümer und schräge YouTube-Beiträge, auf Doku-Elemente ebenso wie auf dramatische Hochkulturgüter zwischen den Erzählsträngen und –zeiten switcht, wissen HAU-Fans noch vom Festival Testing Stage vor zwei Jahren. Dort widmete sich die 36-Jährige einem ganz ähnlichen Milieu wie jetzt in „Show Real Drama“ und schickte unter dem Motto „Anke is gone“ zwei alte Schulfreundinnen in die Spur, deren eine am Lee Strasberg Institute landete, während die andere in eine klinische Depression fiel. Die Performance „Show Real Drama“, die schon in der Londoner Tate Modern zu sehen war, läuft hier übrigens im Rahmen der Ausstellung „Denn alles, was den Gesetzen des Verstandes und der Vernunft widerstreitet, ist freilich unmöglich“ im Meinblau am Pfefferberg.

Text: Christine Wahl

Foto: Keren Cytter

Show Real Drama, ?HAU 2, Do 19.9., 21.30 Uhr und Sa 21.9., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 259 004 27 ?

 

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