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Kriminal-Oberkommissar Oliver Scheunemann über Fahrraddiebstahl

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Auf Nummer sicher: mit vier Schlössern am Geländer gesichertes Damenrad. Gesehen in Kreuzberg, Nähe Kochstraße.

Mit wie viel Schlössern muss ich mein Fahrrad abschließen, damit ich sicher sein kann, es später noch vorzufinden?
Wir empfehlen vor allem, dass man auf die Qualität des Schlosses achtet und kein billiges vom Baumarkt nimmt. Man rechnet, dass der Wert des Schlosses mindestens ein Zehntel des Fahrradneuwertes ausmachen sollte. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass das Fahrrad an einem festen Gegenstand angeschlossen ist, etwa an einer Laterne. Das Schloss sollte den Gegenstand, den Fahrradrahmen und auch das Vorder- oder Hinterrad umfassen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Schlössern: Bügel-, Ketten-, Kabelschlösser. Welches empfiehlt die Polizei?
Wir von der Polizei sind der Neutralität verpflichtet und können keine konkrete Empfehlung geben. Einige Mindestmerkmale, die Qualität betreffend, sollte das Schloss aber aufweisen. Zum Beispiel sollte es aus durchgehärtetem Spezialstahl sein und massive Schließsysteme verwenden. Der Verband der Schadenversicherer (VdS) verweist auf seiner Webseite auf VdS-zertifizierte Schlösser.

Stimmt es, dass alle Schlösser zu knacken sind? Dass es nur eine Frage der Zeit ist?
Ja. Das ist ähnlich wie in der Einbruchskriminalität. Ein Täter, der sich fest vorgenommen hat, irgendwo hineinzugelangen oder ein Schloss zu überwinden, schafft das in der Regel auch. Es geht nur darum, es ihm besonders schwer zu machen. Wenn ein Dieb ein Schloss sieht, das er in fünfzehn Sekunden knacken kann, geht er da eher ran, als wenn er ein Schloss sieht, in das er viel Zeit und Technik investieren muss.

Weiterlesen: Hipster, Ökos, Anzugträger: Ganz Berlin ist aufs Rad umgestiegen.

Soll ich mein Fahrrad eher im Innenhof anschließen oder lieber vor der Tür?
Das kann man nicht so pauschal sagen. Der Innenhof ist prima, wenn die Hausgemeinschaft das Tor abschließt und ab und zu ein Auge auf den Hof hat. Wenn jedoch ein potenzieller Täter reinkommen kann und der in einem anonymen Haus nicht auffällt, kann er in Ruhe auf das Schloss einwirken. Draußen hat man zwar nicht diesen sogenannten gedeckten Tatort, dafür aber kommen mehr Leute an das Rad ran. Das ist immer eine Abwägung. Besonders risikoreich ist es auf Fahrradparkplätzen vor Schulen oder vor Bahnhöfen, überall, wo viele Fahrräder dicht an einem Ort stehen.

Wenn das Fahrrad dann doch gestohlen wurde: Wie erhöhe ich die Chance, es wiederzubekommen?
Wichtig ist, dass man das in den Rahmen eingeschlagene Kennzeichen des Rades kennt und es am besten noch zusätzlich von der Polizei oder dem ADFC codieren lässt. Wird das Fahrrad bei einer Polizeiaktion gefunden, kann der Besitzer identifiziert werden. Hilfreich sind auch GPS-gestützte Sicherheitssysteme. Wichtig ist auch, dass man man Fotos von dem Fahrrad hat. Manche Räder finden sich auf Online-Verkaufsplattformen wieder.   

Interview/Foto: Eva Apraku

Fahrradcodierungstermine der Berliner Polizei? unter www.berlin.de/polizei/service/fahrradcodierungen.html

Auf Nummer sicher: mit vier Schlössern ?am Geländer gesichertes Damenrad. ?Gesehen in Kreuzberg, Nähe Kochstraße

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