So war es beim dritten Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Kulinarisches Schöneberg

Einzig eine Frage blieb an an diesem Abend ungeklärt: Ob der Akazienkiez, also die Akazienstraße, nun nach eben jenen Bäumen benannt sind, die den lebendigsten Teil Schönebergs so beinahe mediterran belauben? Oder ob die Bäume umgekehrt einmal der Straße nach gepflanzt worden waren. Apropos: Wie verhält sich das eigentlich Unter den Linden? Egal. Denn, wo letztere vor allem eine touristische Promenade ist, ist der Akazienkiez eben ein Kiez. Und das vergessen all jene gerne, die die lebendigen, sich permanent wandelnden Nachbarschaften einzig in Kreuzberg oder Neukölln vermuten. Der Akazienkiez führt charmant vom Gestern ins Morgen. Gleich Wand an Wand mit dem To Beef or not to Beef etwa die Möve im Felsenkeller. Berliner Kneipe seit einer halben Ewigkeit. Mit einem eigenen Wikipedia-Eintrag.

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Auch Gacciomo Manccucis To Beef or not to Beef hat – wenngleich erst vor sechs Jahren eröffnet, was indes im kulinarischen Berlin auch schon eine Weile ist – seine Geschichte. Und die erzählt von Dario Ceccini, im besten Sinne eine theatralische Fleischerinstitution aus der Toskana. Vom seinen Freilandrindern kommt das Fleisch, das wir an diesem Abend als Tatar zu kosten bekamen. Ein guter Anfang, rahmte er doch ein Thema dieses Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin: es geht um die Produkte und ihre Produzenten. Und um gastronomische Orte, die eine eigene Handschrift haben, Autorenrestaurants. Dieses To Beef or Beef etwa ist der Italiener unter den herausragenden Berliner Fleischlokalen. Was man etwa an der Atmosphäre merkt, es gibt nämlich eine.

Die Straße runter und dann kurz rechts hat einer in der Grunewaldstraße etwas Einzigartiges gemacht. Thomas Vetter hat ein Restaurant rund um eine Dosendelikatesse gestrickt: die Sardinen.Bar. Solche Orte sind in Frankreich oder Portugal üblich. In Berlin passen sie wunderbar in diese laue Sommernacht, wobei Vetter verrät, dass manche Dose im Winter auch ofenwarm serviert werden kann. Heute gibt es kalte Küche zum portugiesischen Wein. Und einen Wirt, der sich auch als kulinarischer Botschafter begreift. Ein wenig Esskulturgeschichte, Staunen und Raunen. Ist also längst nicht alles Blech, was aus der Dose kommt.

Aus Brasilien kommt Sabine Hueck und mit ihr der Hauptgang dieses Abends. Und das ist insofern bemerkenswert, da ihr Atelier Culinario in der Kyffhäuserstraße kein Restaurant im eigentlichen Sinne ist, sondern eine Kochschule, ein Dinner-Club, ein Wohnzimmer und vor allem die herzenswarme Bühne einer Gastgeberin, die von allen ins Herz geschlossen wurde. Und, buchstäblich, in die Arme. Was es gab? Kalten Kartoffelstampf, wie man ihn aus der peruanischen Küche kennt, dazu einen unfassbar zarten Pulpo und von Mangold ummantelten Wolfsbarsch. Das war ein Teller, der fein und kraftvoll, ausdifferenziert und umami war. Ein würdiger Höhepunkt dieses Kiezspaziergangs, der sicher auch Michael Kempf, Zwei-Sterne-Koch aus dem Facil am Potsdamer Platz geschmeckt hätte, der ein paar Tage nach unserem Besuch im Atelier Culinario zum Pop-up-Menü lädt.

Zum Abschluss gab es dann noch ein Eis. Wobei sich die Frage Waffel oder Becher bei Jones Icecream erübrigen dürfte. Gabrielle Jones, in den feinen Küchen Frankreichs zur Patissière ausgebildet, ist nicht nur eine der feinsten handwerklichen Eismacherinnen der Stadt, hier in der Goltzstraße werden auch die Waffeln frisch gebacken. Das riecht man, und das schmeckt man. Exemplarisch muss an dieser Stelle die Sorte Banana Marshmellow gefeiert werden, die gleichzeitig nach Kindergeburtstag und einem Wochenmarkt am Mittelmeer schmeckt. Mehr kann man nun wirklich nicht verlangen. Mehr Kiezgourmet auch nicht.

Das nächste Kiezgourmet im August stellt das kulinarische Charlottenburg vor. Alle Informationen dazu folgen in Kürze.

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