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10 Geheimtipp-Reiseziele, die eigentlich für was ganz anderes bekannt sind

Mal raus aus Berlin? Was ganz Neues entdecken? Dann bieten unsere zehn Geheimtipp-Ziele vielleicht etwas Inspiration. Foto: fotolia.com © LIGHTFIELD STUDIOS

Woher kennt man hierzulande die Azoren? Vor allem aus dem Wetterbericht, wenn mal wieder vom „Azorenhoch“ die Rede ist. Doch wem ist bekannt, dass die Atlantik-Inseln auch ein echtes Geheimtipp-Urlaubsziel sind? Genau so sieht es auch bei anderen Destinationen aus: Sie haben einen Ruf als Weltraumstadt oder Banker-Paradies und sind in Wirklichkeit aus ganz anderen Gründen eine besondere Empfehlung wert. Auf den folgenden Zeilen verraten wir die vielleicht schönsten, spannendsten und unentdecktesten davon.

1. Die Azoren

Bezogen auf Lage, Landschaft und Klima sind die Azoren noch vergleichsweise sanft touristisch erschlossen.
Foto: fotolia.com © photoplace

Eigentlich bekannt für…
Fährt oder fliegt man von Portugal aus gut 1.300 Kilometer westwärts, trifft man auf die Ilhas dos Açores, die Habenichts-Inseln. Was die neun großen und noch mehr kleineren Inseln so bekannt macht, ist nicht etwa ihre Lage mitten im Atlantik, sondern etwas ganz anderes. Denn hier besteht eine nicht nur außergewöhnliche, sondern für das Europa-Wetter ziemlich bedeutsame Klima-Besonderheit, das Azorenhoch.

Hintergrund
Um das zu verstehen, muss man sich die Erde in mehrere Druckzonen eingeteilt vorstellen. Die Azoren liegen auf den subtropischen Breitengraden. Genau hier zieht auch der Jetstream nach Osten. Das alles sorgt dafür, dass sich hier Wetterlagen bilden, die sich bis zu uns erstrecken können, im Sommerhalbjahr mit Sonne, im Winter mit Nebel.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Nicht wenige Menschen wissen gar nicht, wo genau die Azoren liegen. Noch weniger wissen jedoch, dass die Inselgruppe auch Heimat rund einer Viertelmillion Menschen ist. Die wissen schon, warum sie sich dort so wohl fühlen. Denn durch die Lage herrscht dort ganzjährig ein warmes, aber nicht heißes Klima, perfekt eigentlich. Hinzu kommen eine einzigartige Natur und die (für eine Inselgruppe mit diesem Klima) ziemlich geringe touristische Erschließung. Das alles macht die Azoren zum Urlaubs-Geheimtipp. Auch, weil die Inselgruppe zu Portugal gehört und dort mit Euro bezahlt werden kann. Übrigens sind sie auch noch ein Gewinn für Tee-Fans, denn Sao Miguel ist einer der wenigen Orte in Europa, an dem Tee angebaut wird.

2. Französisch-Guayana

In Kourou starten die Ariane-Rakten praktisch direkt aus dem Dschungeldach heraus. Eine beeindruckende Szenerie.
Foto: fotolia.com © Franois

Eigentlich bekannt für…
Eine klassische Nachrichtenmeldung: „Heutet startete vom Weltraumbahnhof in Kourou eine Ariane-Rakete, welche neue Kommunikationssatelliten ins All befördert“. Einen ähnlichen Wortlaut hat sicher jeder schon gehört, denn Französisch-Guayana, das kleine Land im Nordosten des südamerikanischen Kontinents, ist nicht nur eines der wenigen französischen Übersee-Departments, sondern der Weltraum-Startpunkt für die EU.

Hintergrund
Das liegt daran, dass das Centre Spatial Guyanais dicht am Äquator liegt. Und dort, wo der Erdumfang am größten ist, liegt auch ihre Rotationsgeschwindigkeit höher. Tatsächlich ist Französisch-Guyana dadurch der optimalst-gelegene Weltraumbahnhof der Welt. Denn die Besonderheit der Äquator-Rotation gibt dort gestarteten Raketen einen zusätzlichen Geschwindigkeitsschub. Sie können daher größere Nutzlasten ins All befördern, als von anderen Weltraumbahnhöfen aus.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Ein Reiseblog bezeichnete Französisch-Guayana als „Frankreichs wildes Wohnzimmer“. Die Definition ist treffend. Denn Kultur und Geld sind dort nicht anders als in Lyon oder in der Bretagne – das alles wird jedoch mit den tropisch-südamerikanischen Eigenheiten zwischen Klima, Natur und Landschaft gemixt und so entsteht ein ganz spezielles Übersee-Paradies, in das Europäer so unkompliziert einreisen können wie nach Luxemburg.

3. Singapur

Das kleinste Land Südostasiens ist gleichzeitig eines der reichsten der Welt. Eine echte Perle des Malaiischen Archipels.
Foto: fotolia.com © SeanPavonePhoto

Eigentlich bekannt für…
Einführen von mehr als einer Schachtel Zigaretten: Strafe. Überqueren der Straße außerhalb von Zebrastreifen: Strafe. Lügen: Strafe. Graffiti-Sprayen: Prügelstrafe. Und Kaugummi gibt es nur auf Rezept. Es sind die vielfältigen und stets sehr hohen Strafen, die Singapur den Ruf als Welthauptstadt der strengen Gesetzgebung einbrachten. Als Land, in dem quasi alles verboten ist.

Hintergrund
Die Gründe sind schnell erklärt: Singapur ist ein Stadtstaat mit gerade mal rund 700 km² Fläche, also noch 200 km² weniger als Berlin. Doch wo in der Bundeshauptstadt „nur“ 3,5 Millionen Menschen leben, sind es in Singapur 5,6 – zuzüglich über zehn Millionen Touristen, die jedes Jahr dort hinreisen. Solche Menschenmengen, so entschied Singapurs Regierung, kann man nur durch harte Strafmaßnahmen im Zaum halten. Die Wirkung ist unbestritten, pro Kopf ist Singapur nicht nur eines der reichsten Länder der Welt, sondern für eine Stadt dieser Größe und Bevölkerungsdichte (ca. 5.600 pro km²) unglaublich sauber und gepflegt.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Ein bisschen verwundert es da, dass ein so straff geführtes Land tatsächlich ein Traumziel für Glücksspieler ist. 2010 fiel in Singapur ein bis dahin gültiges Verbot und es entstanden zwei regelrechte Vergnügungsgiganten: Das Marina Bay Sands Hotel und das Resorts World Sentosa, die mit Größe und Ausstattung hinter Spieler-Mekkas wie Las Vegas oder Monte Carlo nicht zurückstehen müssen. Und: In Singapur müssen Zock-Gewinner auch keine Angst vor Überfällen haben, das Land gilt als eines der sichersten der Welt.

Antarktis

Pinguine und Wale stellen die größte „Bevölkerungsgruppe“ der Antarktis. Der Mensch ist hier nur eine Art Dauergast.
5) fotolia.com © Nick Dale

Eigentlich bekannt für…
Frost, Leere, gigantische Distanzen. Und natürlich berühmte Forscher wie Amundsen, Scott, Peary und Byrd. Dafür kennt man den südlichsten und vor allem als den am wenigsten dicht besiedelten Kontinent unseres Planeten. Selbst im Antarktis-Sommer leben hier gerade mal 4.000 Menschen. Im Winter reduziert sich deren Zahl auf ein Viertel davon.

Hintergrund
Das liegt nur teilweise an den extremen Verhältnissen der Antarktis. An der Spitze der Nordhalbkugel siedelten schließlich auch früh Menschen und auch dort ist es wegen der geographischen Lage monatelang dunkel, eiskalt und unwirtlich.

Der Grund, warum hier keine Ureinwohner leben, ist ein anderer: Selbst Feuerland ist gute 1.000 Kilometer über die offene See von Antarktika entfernt. Die wenigen Frühmenschen, die an der Südspitze Südamerikas siedelten, verspürten nur geringen Drang, noch weiter vorzustoßen. Und falls es doch welche taten, entdeckten sie eine Welt, in der kaum mehr als Moose und Flechten wachsen.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Genau diese ewige und auch heute noch andauernde Einsamkeit macht die Antarktis eigentlich sogar zum Doppel-Geheimziel: Für Forscher deshalb, weil sie von hier aus nicht nur einen extrem klaren Blick ins All haben, sondern durch Eiskern-Bohrungen auch Rückschlüsse auf das frühere und somit zukünftige Erdklima haben. Und für Touristen deshalb, weil Antarktika auch heute noch weniger erforscht ist, als der Mars. Wer hier in einer der Forschungsstationen oder einem Kreuzfahrtschiff vor der Küste (Hotels gibt es keine) Urlaub macht, tut das in einem der letzten unberührten Areale der Erde und einem klimatisch extremen noch dazu.

 

Orkney-Inseln & Scapa Flow

Bei Ebbe kommen manche der stählernen Zeitzeugen zum Vorschein und beweisen, dass Scapa Flow für einen Moment Weltgeschichte schrieb.
Foto: otolia.com © jiduha

Eigentlich bekannt für…
Ein kleines, aus über 70 Inseln und Inselchen bestehendes Archipel an der Nordspitze Schottlands liegt mitten in der sturmumtosten Grenze zwischen Nordsee und Nordatlantik. Schon deshalb sind die Orkneys eigentlich nur wenigen wirklich bekannt. Doch jene, die sie kennen, wissen um die Vorzüge der rauen Landschaft.

Hintergrund
Denn auf diesen Inseln ist ein ungetrübter Blick in die Menschheitsgeschichte möglich. Schon tausende Jahre vor unserer Zeitrechnung siedelten hier Menschen und hinterließen gigantische, steinerne Spuren, von denen längst noch nicht alle heute enträtselt sind.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Dabei liegt inmitten der Orkneys, in der Bucht von Scapa Flow, ein wahres Paradies für alle Wracktaucher, die vor den eisigen Wassertemperaturen nicht zurückschrecken. Denn in der Einsamkeit der Orkneys wurde (Kriegs-)Geschichte geschrieben: Kurz nach dem Ersten Weltkrieg war hier fast die komplette deutsche Flotte interniert. Damit die 74 Schiffe nicht in britische Hände fielen, versenkte sich die Flotte am 21. Juni 1919 selbst. Zwar wurden seitdem einige Wracks geborgen, vieles liegt jedoch noch auf dem Grund und ist durch die kalten Wassertemperaturen, den geringen Bewuchs und die schwachen Strömungen in erstaunlich gutem Zustand

 

Swakopmund, Namibia

Kaiserliche Architektur unter Palmen. In Swakopmund wirkt vieles, als sei die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts stehengeblieben.
Foto: fotolia.com © rudiernst

Eigentlich bekannt für…
Namibia. Mit diesem Wort verbinden sehnsüchtige Europäer die vielleicht schönsten Tatsachen, die der afrikanische Kontinent zu bieten hat: Eine der stabilsten politischen Verhältnisse, ein hochentwickeltes Sozialsystem und eine unglaublich reizvolle Landschaft, die auf vergleichsweise geringem Raum sowohl typische Savanne wie spannende Wüste bietet.

Hintergrund
Das liegt vor allem an der geographischen Lage Namibias nördlich von Südafrika und direkt am Atlantik. Hier fließt der Benguelastrom vorbei und sorgt für ein gänzlich un-afrikanisches, sonniges aber angenehm kühles Klima das ganze Jahr. Das fanden 1885 auch die Deutschen, die das Gebiet untersuchten und als Deutsch-Südwestafrika in Kolonialbesitz nahmen.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Und genau von dieser deutschen Kolonialzeit, die bereits 1915 endete, zeugt auch heute noch ein besonderes Kleinod des Landes, die Stadt Swakopmund. Sie war nicht nur damals das See-Tor in die Kolonie, sondern unterlag nie einem so extremen Wandel wie andere Städte Namibias, etwa Windhoek. Und so kommt es, dass der heutige Swakopmund-Reisende dort nicht nur an jeder Ecke über deutsche Beschriftungen stolpert, sondern auch eine gepflegte Architektur, die so aussieht, dass man fast erwartet, von einem Kolonialbeamten mit Monokel und Tropenhut begrüßt zu werden. Und man kann sogar auf Deutsch interagieren, denn unter den rund 2 Millionen Einwohnern Namibias sind nicht nur rund 25.000 deutsche Muttersprachler, mehr als zehnmal so viele haben Deutsch als Fremdsprache erlernt.

 

Surfin‘ NYC

Wer New-York-Style surfen will, sollte vor allem nicht allzu kälteempfindlich sein. 15°C Wassertemperatur sind hier normal.
Foto: fotolia.com © James

Eigentlich bekannt für…
Schmelztiegel des nordamerikanischen Kontinents. Welthauptstadt des Handels, der Werbung, von Musik, Theater und anderen kulturellen Strömungen. New York City hat unglaublich viele Attribute, für die es in seiner fast 400-jährigen Geschichte bekannt wurde. Tatsächlich sorgte das dafür, dass die Stadt heute nicht nur Mittelpunkt einer der größten Ballungsräume der Welt ist – der sogenannte BosWash, der fast 800 Kilometer lange Küstenstreifen zwischen Boston im Norden und Washington DC im Süden, in dem rund 45 Millionen Menschen leben. Nein, New York ist auch nach wie vor das Haupt-Touristenziel der meisten europäischen Besucher. Manche sagen sogar, dass man Amerika nicht kennen würde, wenn man nicht einmal im „Big Apple“ war.

Hintergrund
Dabei fing dies alles einst sehr klein an der Südspitze Manhattans an. Da gründeten niederländische Kaufleute in den 1610ern einen kleinen Handelsposten für Fell, bis schließlich 1624 der Seefahrer Peter Minuit die Insel, welche die Einheimischen Manna-Hatta nannten, abkaufte und die Stadt Niew-Amsterdam gründete. Sie erblühte in den folgenden Jahrzehnten und entwickelte sich auch in die umliegenden Territorien. Namen wie Brooklyn (Breuckelen) oder Harlem (Haarlem) zeugen auch heute noch von dieser niederländischen Ära, die bereits 1664 endete, als die Briten einmarschierten und der Stadt ihren heutigen Namen Neu-York gaben.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Für so vieles kennt man den Big Apple, was jedoch sicher nicht dazugehört, ist das Surfen, welches europäische Laien eher am westlichen Ende Nordamerikas verorten. Dabei hat New York mit den Südspitzen von Brooklyn, Queens und der sich daran anschließenden Long Island nicht nur einige echt schöne Strände zu bieten, sondern dort tatsächlich auch einen Wellengang, der sich absolut dafür eignet, ihn auf dem Brett zu bezwingen.

Nordkorea

Nur an einer Stelle treffen Nord- und Südkorea ohne Minengürtel aneinander, in der Security Area von Panmunjeom.
Foto: fotolia.com © jdavenport85

Eigentlich bekannt für…
Abgeschottet, stalinistisch und von einem despotischen Familienclan geführt, dem das Elend seiner Bevölkerung bestenfalls egal ist. Dafür kennt man Nordkorea – in allerjüngster Zeit noch ergänzt durch das nukleare Säbelrasseln mit seinem südlichen Nachbarn und den USA.

Hintergrund
Das es heute so ist, liegt an einer langen Kette von historischen Ereignissen. Die koreanische Halbinsel stand praktisch immer unter dem starken Einfluss fremder Mächte: Erst waren es die Mongolen, dann das chinesische Kaiserreich. Schließlich besetzten die Japaner im Jahr 1905 ihren westlichen Nachbarn und beuteten das Land bis 1945 aus.

Dann aber passierte ein Fehler, der direkt für die heutige Situation verantwortlich ist: Als nämlich Japan kapituliert hatte, einigten sich die USA und die Sowjetunion, das Land am 38. Breitengrad für eine kurze Zeit zu teilen und die jeweiligen Gebiete zu verwalten, bis Wahlen abgehalten werden konnten – dann aber begann der Kalte Krieg. Die Sowjets führten ihre diktatorische Staatsform im Norden ein, die Amerikaner versuchten, es im Süden etwas besser zu machen. 1950 überfiel Nordkorea den Süden mit dem Ziel einer Wiedervereinigung unter kommunistischer Flagge. Nachdem der Koreakrieg trotz Millionenverlusten nur keine Veränderungen herbeiführen konnte, entstanden zwei koreanische Staaten, getrennt durch die am stärksten gesicherte Grenze der Welt.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Und genau diese Grenze selbst ist bereits ein (unerreichbarer) Geheimtipp. Denn in dem scharf verminten, vier Kilometer breiten und 250 Kilometer langen Streifen konnte sich eine einzigartig ungestörte Flora und Fauna bilden, die zu einer der reichhaltigsten Biosphären der Welt gehört.

Und auch in Nordkorea gibt es heute etwas Tourismus. Und zwar einen der schaurig-schönen Sorte. Denn durch seine Isolation herrschen in Nordkorea Verhältnisse, wie es sie vielleicht kein zweites Mal gibt. Man wird auf Schritt und Tritt überwacht, der Service ist buchstäblich „sowjetisch“. Doch auch das übt auf manche Touristen, die von Sterne-Luxus übersättigt sind, einen gewissen Reiz aus. Zumal Nordkorea durch seine Rückständigkeit eine vergleichsweise ursprüngliche und unberührte Landschaft aufweist, die nur wenig verschmutzt ist.

 

Kamtschatka

Eine vom Tourismus weitgehend abgeschnittene Welt voller Vulkane und Geysire: Das ist Kamtschatka.
1Foto: fotolia.com © Alexey Osokin

Eigentlich bekannt für…
Hierzulande ist die Halbinsel Kamtschatka, zu Russland gehörig und in den kalten Wassern des Nordwest-Pazifiks gelegen, vor allem Liebhabern von Meeresfrüchten wegen der Kamtschatka-Krabbe bekannt. Polit-Kenner wissen vielleicht auch, dass sich hier ein wichtiger Stützpunkt der russischen Marine befindet.

Hintergrund
Das faszinierende an Kamtschatka ist jedoch, dass es in der gesamten Region gerade mal gut 300.000 Einwohner gibt – auf einer Fläche etwas größer als Deutschland. Ein Großteil davon lebt am Südzipfel der Halbinsel im Ballungsgebiet der einzigen Großstadt Petropawlowsk-Kamtschatski. Und obwohl die Stadt am Pazifik bereits 1740 gegründet wurde, ist sie eine der einsamsten Großstädte der Welt – denn es gibt keine einzige Straße, welche die Halbinsel Kamtschatka mit dem restlichen Kontinent verbindet. Alles was hier benötigt wird, kommt per Schiff und Flugzeug.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Und so kommt es, dass das ganze gigantische Areal von 450 Kilometern Breite und 1.200 Kilometern Länge seit 1996 Weltnaturerbe-Status besitzt. Und nicht nur das. Die Halbinsel ist übersät von Vulkanen und Geysiren, die sie zu dem Sehnsuchtsziel für echte Naturfreunde machen.

 

Prypjat

Vorn das zugewucherte und menschenleere Prypjat, dahinter die Tschernobyl-Ruine (rechts der neue „Sarkophag“).
Foto: fotolia.com © Fotokon

Eigentlich bekannt für…
Prypjat, in der Ukraine an der Grenze zu Weißrussland, das nach dem nahegelegenen Sümpfen und dem Fluss benannt wurde, trat 1986 auf traurige Weise ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Denn die Stadt lag und liegt in Sichtweite des Kernkraftwerks von Tschernobyl, wurde im Zuge der dort am 26. April 1986 stattgefundenen Katastrophe von seinen fast 50.000 Einwohnern evakuiert und ist heute die vielleicht größte Geisterstadt der Welt.

Hintergrund
Prypjat wurde 1970 tatsächlich aus dem Nichts gegründet. Ihr einziger Daseinszweck inmitten der zuvor nahezu unbesiedelten Prypjat-Sümpfe war es, ein Heim für die Arbeiter und Familien des ebenfalls aus dem Erdboden gestampften Kernkraftwerks zu sein. Als dort das verheerende Sicherheitsexperiment aus dem Ruder lief, lag die Planstadt mitten im am stärksten verstrahlten Bereich.

Tatsächlich ein Geheimtipp für…
Schon kurz nach der Evakuierung begann Mutter Natur, sich Prypjat zurückzuerobern. Mit der Folge, dass dort binnen kürzester Zeit ein wahrer Schatz an Flora und Fauna entstand. Und spätestens seitdem die Reaktorruine in den vergangenen Jahren durch einen neuen Schutzmantel abgedichtet wurde, besteht dort nur noch ein leicht erhöhtes Aktivitätslevel. Und so kommt es, dass heute geführte Touren durch die Stadt angeboten werden. Ein wahrhaft gruseliges und morbides Vergnügen, weil alles so konserviert wurde, wie es 1986 bestand (den Bewohnern wurde gesagt, sie würden bald zurückkehren können). Zwar haben Plünderer und der Verfall einiges bereits zerstört, aber für die Gruppe der Katastrophentouristen zählt der Gänsehaut-Faktor. Denn wer kann schon behaupten, in Sichtweite von Tschernobyl Urlaub gemacht zu haben?

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