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2. „Berlin Graphic Days“ im Kater Holzig

BerlinGraphicDaysDie Gestaltung des Mitte-Clubs Kater Holzig hat an sich schon so viel mit Illustration zu tun, dass man dort bei den Berlin Graphic Days an den Punkt kommt, an dem man nicht mehr weiß: Klebt das Papercut schon immer da, oder ist es Teil der Ausstellung?
Bei dem Festival, das jetzt zum zweiten Mal stattfindet, zeigen und verkaufen Künstler ihre Arbeiten. Doch es gibt auch für die Besucher Malmöglichkeiten auf Leinwänden und Holztafeln, denn den Machern geht es darum, Leute zusammenzubringen und Spaß zu haben – inklusive­ Barbecue und Musik, die den ganzen Tag über aufgelegt wird.

Künstlerische Grafiken
Die Berlin Graphic Days richten sich an Leute, die sich für Grafik, Kunst, Illustration und Street Art begeistern. „Es geht uns aber nicht um Gebrauchsgrafik wie Logos oder Werbeclip-Storyboards“, sagt Initiator Christoph Steinweg. „Wir meinen Grafik im klassischen Sinne:­ künstlerischer Ausdruck in einer grafischen Form.“
Die Berlinerin Sophia Halamoda mischt skurille Comic-Elemente in elegische Aquarelle. Maike Biederstädt lässt Piratenschiffe aus Papier aus Büchern ploppen. Auffällig viele kleine Monster finden sich in den Bildern. In den Materialien und im Umgang ist das ganz vielfältig: Kreidesprays, Schnittfolien, Siebdruck mit Goldstaub oder fluorisierende Farben. Das erinnert zuweilen an Street Art, aber ohne fremde Gebäude zu lädieren. Obwohl Berlin als Kunstmetropole floriert, sehen die Macher Nachholbedarf in Sachen Grafik.

Sie sei das „Stiefkind der Kunst“, sagt Steinweg. „Der Umgang damit ist anders als mit musealer Kunst, die auf intensivere Denkprozesse oder Wertsteigerung ausgelegt ist.“ Kunst sei oft elitär, schließe viele Leute aus, wenn sie sich Kunstwerke nicht leisten könnten. Bei den Graphic Days gibt es Postkarten ab einem Euro, das meiste unter 100 Euro.
Bei den ersten Graphic Days im Janu­ar kamen 5?000 Besucher, und zwar nicht nur klassische Kater-Gäste. Aber das Festival geht abends in den regulären Club-Betrieb über – mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass man sich den Eintritt spart und nicht von der Türsteherin Steffi-Lotta auserwählt werden muss. 

Text: Stefan Hochgesand
Foto: Marlene Brüggemann(oben)

BERLIN GRAPHIC DAYS#2
Kater Holzig, Michaelkirchstraße 23, Mitte,
23.+24.8. 14–21 Uhr

 

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