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30 Jahre Transmediale

„Alien Matter“ im Haus der Kulturen der Welt

Eine neue Form von Plastik: Die Ausstellung „Alien Matter“ präsentiert Dinge als handelnde Einheiten

HTF The Gardener by Suzanne Treister Download Bildnachweis: Suzanne Treister – HFT The Gardener. Courtesy the artist, Annely Juda Fine Art, London and P.P.O.W., New York

Mit „alien matter“ hat die diesjährige Ausgabe der Transmediale zum Glück wieder eine Ausstellung. Nach dem Aussetzen dieses eigentlich schon fast institutionellen Bestandteils im Umfeld des Festivals im letzten Jahr, kann man nur hoffen, dass eine Ausstellung zu Kunst, die sich dezidiert mit Fragen unserer Zeit, mit Technologie und Medien beschäftigt, auch in Zukunft wieder fester Bestandteil der Transmediale sein wird, die in diesem Jahr – Glückwunsch übrigens – ihr immerhin schon dreißigjähriges Bestehen feiern kann.

Wenn man sich das vor Augen hält, diese dreißig Jahre, dann war VHS noch ein echtes Ding, als die erste Transmediale in Berlin stattfand. So erscheint die begehbare Installation „Video Palace #44 – The Hidden Universe“ Joep van Lieflands, die einen Raum aus 20.000 in Regalen stehenden VHS Kassetten formt, gleich doppelt passend. Neben den im Werk angelegten Implikationen zur Flüchtig­keit von Trägermedien und der in gewisser Weise verlorenen Medienkultur der 80er Jahre, wirkt dies auch wie ein ironisches ­Augenzwinkern in Richtung Anfangszeit der Transmediale. Zum Titel der Ausstellung passt sie zumal optimal, sind uns diese schwarzen, mit Magnetbändern gefüllten Plastikhüllen heutzutage doch eine „fremde Materie“ – wie sich „alien matter“ wörtlich übersetzen ließe.

Der Kuratorin Inke Arns, die für die Ausstellung 20 Arbeiten zusammengestellt hat, von denen eine ganze Reihe extra dafür produziert wurden, geht es aber um mehr: „Diese Ausstellung fasst alien matter als einen Stoff auf, der die Welt der Dinge um uns durchdringt und belebt. Die Dinge in den uns umgebenden Räumen werden zu quasi handelnden Einheiten, eine Realität, der wir uns heute gegenüber sehen mit vernetzten Häusern, Staubsauger-Robotern oder dem Internet der Dinge.“

Inke Arns Ansatz ist dabei analytisch ­geprägt. Es geht ihr nicht um Technikbegeisterung oder -ablehnung, um Utopie oder Dystopie. Das spiegelt sich auch in den ­Werken wider, die sie grob unter den Schlagworten „Plastik“, „Das Internet der Dinge“, „Infrastruktur“ und „künstliche Intelligenz“ verortet, die je einen Aspekt dieser fremden Materie ausmachen. Ein anderes, in vielen der Arbeiten aufscheinendes oder „benutztes“ Phänomen ist der Algorithmus, mit dem ­heute vor allem endliche Reihen von Variablen mit Anfangs- und Endpunkt für Computerprogramme beschrieben werden. Ein schönes Beispiel für die Verwendung ist der von ­Maria Roszkowa und Nicolas Maigret programmierte „Predictive Art Bot“, der Vorhersagen über kommende Kunsttrends trifft und dazu gleich konkrete Projektvorschläge entwickelt. Nach einer Abstimmung wurde der beliebteste Vorschlag des Programms zur Umsetzung durch einen Menschen ausgeschrieben und ist Teil der Ausstellung.

Leider nur während des Eröffnungs­wochenendes wird die aus Platzgründen ins Deutsche Architekturzentrum ausgelagerte Performance-Skulptur „Plastic Raft of ­Lampedusa“ des Künstlerduos YoHa zu sehen sein. YoHa zerlegen performativ und skulptural ein Schlauchboot samt Motor in seine Einzelteile, wovon dann ein Video während der gesamten Ausstellungsdauer auch im HKW zu sehen ist.

alien matter. Gruppenausstellung zur Transmediale Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi – Mo 10 – 19 Uhr, 3.2. – 5.3., Eintritt 5 €/erm. 3 €, Mo frei; Kuratorenführung nach dem Eröffnungswochenende immer So 16 Uhr

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