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"Alles Müller" von Erik Heier

"Alles Müller" von Erik Heier
Man muss sich bloß mal vorstellen, der Regierende Bürgermeister Michael Müller hätte einen wirklich ernstzunehmenden CDU-Spitzenkandidaten gegen sich. Und nicht Frank Henkel. Aber Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte ja immer, wenn sie bei Berliner Christdemokraten den Spitzenposten angetragen bekam, gerade etwas anderes vor. Trotz dieser schwachen CDU bräuchte Müller nach den derzeit dürftigen Umfragewerten der SPD (23 Prozent) für die nächste Regierung zwei Koalitionspartner. Mit der rustikalen Entmachtung des bisherigen SPD-Chefs Jan Stöß erspart er sich daher zumindest innerparteilich weitere Debatten. Vielleicht ist es wirklich so, dass Müller, wie er sagt, mit der Wiederübernahme des Vorsitzes am 30. April beim Parteitag Klarheit in der Führungsfrage schaffen will. Vor allem aber wirkt es wie ein Warnschuss gegen innerparteiliche Konkurrenten. Vor knapp vier Jahren hatte ihn Stöß vom Chefposten weggeputscht. Daher ist Müllers Konter auch für einen anderen Genossen eine eher beunruhigende Nachricht. Fraktionschef Raed Saleh hatte sich damals mit Stöß gegen Müller zusammengetan. Dass der vernetzungsfreudige Spandauer selbst zu gerne Regierender Bürgermeister geworden wäre, hat er nach Klaus Wowereits Rücktritt 2014 sehr deutlich gemacht. Saleh tut vorerst gut daran, Müller nicht daran zu erinnern. Wowereit wollte übrigens nie SPD-Chef werden. Den Job überließ er einst lieber einem engen Vertrauten: Michael Müller.

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