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„Aluhut auf zum Friedenswinter“ von Erik Heier

Erik Heier

Es könnte eine Veranstaltung der bizarreren Sorte werden. Für Samstag, den ?13. De­zember, ist ein Demonstrationszug zum Schloss Bellevue angekündigt, dessen Zusammensetzung einige Unterhaltung für Freunde des robusten Humors verspricht. Zumindest der Unterstützerliste des Aufrufs für diesen Berliner Auftakt zum „Friedenswinter 2014/15“ zufolge. Da stehen der emeritierte FU-Professor Elmar Altvater, die stellvertretende Linken-Bundestagsfraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht und der Geschäftsführer der Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen, Reiner Braun, neben dem Ex-„Tatort“-Kommissar Peter Sodann , dem Liedermacher Reinhard Mey und dem Theologen Eugen Drewermann. Leute, von denen man bisher annahm, sie seien noch einigermaßen bei Trost. Doch neben den „alten Friedensbewegten“, deren Blut beim Begriff „Pershing II“ noch in Wallung gerät, finden sich darauf auch einige Vertreter der „neuen“ Friedensdemonstranten: Wutbürger wie Lars Mährholz, der seit März die sogenannten Mahnwachen mitorgansiert, und der Verquerkopf Ken Jebsen, der, seit er wegen (allerdings durchaus fragwürdiger) Antisemitismus-­Vorwürfe beim rbb rausflog, im Netz bei KenFM.de und auf den Montagsdemos die etablierten Medien mit Furor niedermacht. Weil bei denen der Alpha-Journalismus natürlich direkt aus dem Nato- und US-affinen Milieu gespeist würde. Weswegen man sich bei diesen Demos betroffen seiner eigenen Unwichtigkeit bewusst wurde, weil die NATO noch nie direkt bei einem selbst angerufen hat. Gegen dieses überaus schlichte Weltbild, in dem gegen vergiftete Kondensstreifen nur Aluhüte helfen, Wladimir Putin der Gute ist, die USA die Bösen und alle Mainstream-Medien gekauft sind, sind die antikapitalistischen Lehren der alten Friedensbewegung von derarter Komplexität, dass man sich fragt, wie das vor Joachim Gaucks Dienstsitz zusammenpassen soll. Dass Putin allerdings in deutschen Medien tatsächlich zu oft stereotyp einsortiert wird, hat der Journalist Stefan Niggemeier in der „FAS“ beschrieben. Ein Text, den es, folgt man den Mahnwachlern, in diesen NATO-Blättern, gar nicht geben dürfte. So wird man am 13. Dezember sehen, ob sich die betagte klassische Friedensbewegung eine dringend nötige Blutauffrischung genehmigt. Oder aber eine Blutvergiftung.

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