• Kultur
  • „Amerikana“ in der NGBK

Kultur

„Amerikana“ in der NGBK

Miller: Honi soit qui mal y pense… Wer käme denn auf den Gedanken, dass dunkelhäutige Menschen eine Stufe tiefer stehen als hellhäutige? In seiner humorvollen Videoarbeit „Cheshire“ lässt Sanford Biggers verschiedene Afro­amerikaner in ihrer Arbeitskleidung auf Bäume klettern. Das hat natürlich zunächst einen un­terhaltsamen Charakter, denn jeder Baum besitzt seine eigenen Tücken und jeder Mensch so seine individuelle Vorstellung von der Erledigung einer Aufgabe. Zu beobachten, wie diese „merkwürdigen Früchte“, begleitet von dem gleichnamigen Billie-Holiday-Song teils erstaunlich virtuos die riesigen Gewächse erklimmen, teils auch zur Aufgabe gezwungen sind, gibt einiges über die Begebenheit des Lebens an sich zu denken. Biggers gehört zu den acht Künstlern und Künstlerinnen aus New York, die sich in ihren Arbeiten mit dem Mythos Amerika beschäftigen. Natürlich gehören auch Bilder von Fernsehshows, Protestkultur (John Miller) und Cowboys (Mary Lucier) zum Thema. Gewalt der Pioniere des Wilden Wes­tens wird der Invasion Af­gha­nis­­tans und des Irak gegenübergestellt (Martha Colburn), Vorur­teile, Rassismus und Diskrepanz zwischen Arm und Reich werden thematisiert (Robert Gobers). In einer eindrucksvollen Videoinstallation spielt uns Paul Pfeiffer die Macht der Medienbilder aus einer anderen Perspektive zu.
Während die legendäre Rede des Megastars Michael Jackson zu den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs tonlos auf einem Fernsehbildschirm wiedergegeben wird, rufen achtzig Chorstimmen Jacksons Monolog von der Leinwand gegenüber. Hier entsteht auf bizarre Art ein Wech­selspiel zwischen dem stum­men Star und der projizierenden Masse.

Text: Constanze Suhr

tip-Bewertung: Sehenswert

Amerikana, NGBK, Oranienstraße 25, Kreuzberg, So-Mi 12-19 Uhr, Do-Sa 12-20 Uhr, bis 10.1.

Foto: Miller: „Letz’s Make Peace“, (c)John Miller, Sammlung B.Weis und K.König

Mehr über Cookies erfahren