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„Amt und ?Unwürde“ von Erik Heier

Erik Heier
Wenn die einer deutschen Hauptstadt unwürdige Situation an der Zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge am Landesamt für Gesundheit und Soziales ein Beleg dafür ist, wie Berlin auf einen tatsächlichen Katastrophenfall vorbereitet ist, dann gute Nacht. Sicher, vor einem halben Jahr konnte niemand diesen Zustrom von Flüchtlingen prognostizieren. Das Bundesinnenministerium hat seine Prognose nahezu verdoppelt: auf 800.000 Flüchtlinge für das Jahr 2015, allein in Berlin werden 40.000 erwartet. Nun lassen sich die in den letzten Jahren im LaGeSo abgebaute Mitarbeiterzahlen nicht über Nacht wieder hochfahren oder Flüchtlingsunterkünfte in diesem nun benötigten Maße aus dem Boden stampfen. Aber diese Umstände können nicht als alleinige Entschuldigung für dieses sich über Wochen hinziehende Chaos in Moabit herhalten: mit hygienischen Bedingungen, die die Berliner Ärztekammer „prekär und beispiellos“ genannt hat. „Bei jedem Helene-Fischer-Konzert gibt es eine bessere Ausstattung“, wie Mediziner von „Ärzte ohne Grenzen“ im RBB-Inforadio beklagten. Man kann sagen: Die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer und Spender unter anderem von der Bürgerinitiative „Moabit hilft“ haben der amtlichen Berliner Krisenbürokratie des Senats und des Bezirks in der Turmstraße schlicht den Arsch gerettet. Einige geben in Moabit ihren Jahresurlaub dran. Der Senat sollte ihrem großen Engagement keine bürokratischen Steine in den Weg legen. Das wäre aber auch das Mindeste. Das und ein großes „Danke!“.

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