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Andreas Rebers in der Bar jeder Vernunft

Reberstip Sie drohen in Ihrer Ankündigung an, Liebeslieder in der Tradition von Bohlen und Karl Moik zu singen. Das klingt wie eine Warnung.

Andreas Rebers Aber warum? Ich singe Arbeiterlieder. In der Tradition von Brecht bis Bohlen!

tip Bohlen gehört dazu, weil er ein echter Prollkünstler ist?

Rebers Dieter Bohlen, das ist die Mehrheitsgesellschaft, und ich habe nichts gegen die Mehrheitsgesellschaft. In einer Demokratie sollte die Mehrheitsgesellschaft obsiegen – und wenn wir dann Dieter Bohlen an der Hacke haben, dann müssen wir uns eben überlegen, auf welche Weise wir damit fertig werden.

tip Sie meinen, jedes Land hat die Stars, die es verdient?

Rebers Ja, sicher.

tip Aber warum soll ich mir das anhören?

Rebers Wegen dem, wie ich damit fertig werde, was ich als Satiriker daraus mache natürlich! Leute, wie Bohlen, dieser ganze Mainstream, das sind wunderbare Zutaten für meinen kabarettistischen Eintopf. Die Musik funktioniert bei mir anders, als es beim klassischen Kabarett der Fall ist. Im klassischen Kabarett da gibt es das sogenannte blaue Chanson, da ist dann meist eine Frau aufgetreten und hat ein kluges Lied gesungen …

tip … gegen den Krieg zum Beispiel.

Rebers Genau. Und das war dann der Moment, wo man die Getränke bestellt hat, und danach ging es dann wieder mit den „richtigen“ Texten weiter. Das Problem mit den Liedern im Kabarett ist meistens, es beginnt, und ich weiß schon genau, was in den nächsten drei Minuten passiert. Es gibt ein paar Leute, die das komplett gebrochen haben.
tip Sie meinen, man darf beim Musikhören auch denken?

Rebers Ja, indem man zum Beispiel alle 30 Sekunden den Dingen eine überraschende Wendung gibt. Der Deutsche an sich klatscht und schunkelt ja gerne. Warum? Weil er sich in dieser Art von Kollektiv sehr geborgen fühlt, und das Schöne an unserer globalisierten und technologisierten Welt ist, dass man zum Marschieren gar nicht mehr aufstehen muss. Das ist das geistige Musikmarschieren, ein schöner Stoff.

tip Ist eine Wirtschaftskrise eine gute Zeit für Kabarettisten?

Rebers Vielleicht für andere. Ich bin niemand, der an der Aktualität hängt, ich habe meinen eigenen kleinen Kosmos auf der Bühne, Rebers kleines Bestiarium. Ich bin der Master of Desaster und erzähle von Menschen, die jeder kennt. Ich besinge diese Figuren, und aktuelle Dinge fließen wie nebenher ein. Schlagzeilenfetischismus ist nicht mein Ding. Ich schreibe nicht 20 Minuten neues Programm, nur weil der Dax eingebrochen ist.

Interview: ms

Fotos: Monike Koehler, Janine Guldener

Lieber vom Fachmann – Sitzmärsche für Kenner Bar jeder Vernunft, Mo 12.1., 20 Uhr

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