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Anton Graff in der Alten Nationalgalerie

Schiller hat sich getraut, Goethe nicht, Kleist vielleicht: sich von Anton Graff, dem prominentesten Porträtisten seiner Zeit ins Bild setzen zu lassen. Das war nicht ganz ohne, denn der Meister der Porträtkunst zeigte keinen falschen Respekt vor den Granden der Geschichte. Er malte sie auf Augenhöhe, nicht überstilisiert. Handwerklich hochpräzise, mit psychologischer Tiefenschärfe, klaren Augenpartien, leuchtend offenen Antlitzen und schlichtem Hintergrund.

Die Liste der von Anton Graff Porträtierten liest sich wie das Who is Who der Kulturgeschichte an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung: Lessing, Mendelssohn, Herder und Friedrich?II. – Graffs am meisten kopiertes Bildnis. Die Alte Nationalgalerie würdigt sein Lebenswerk mit einer gigantischen Retrospektive aus 140 Werken. Das gab es seit einem halben Jahrhundert nicht mehr, dem damaligen 150. Todestag. Und mindestens zwei der gezeigten Porträts zeigen womöglich den scheuen Außenseiter Kleist. Es wäre ein Coup, denn ansonsten gibt es von Kleist ja fast nur Milchbubibilder.

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Die Ausstellung selber gliedert sich in verschiedene Kapitel von Graffs Werk: Dichter und Denker, Adel, Familie, auch Skizzen und Selbstbildnisse – vom schneidigen Teenager bis zum sanftmütigen Altersweisen mit Augenschirm. Und spätestens dann wird klar, welch lange Epoche Graff als Ganzes ins Porträt gesetzt hat, in einem höchstpersönlichen Kaleidoskop.   

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Städtische Galerie Dresden Museen der Stadt Dresden / Franz Zadni?ek 

tip-Bewertung: Sehenswert 

Anton Graff – Gesichter einer Epoche, ?Alte Nationalgalerie, Museumsinsel, Mitte, Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, bis 23.2.

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