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Malerei

Armin Stern im Kunsthaus Dahlem

Was vom Werk übrig blieb – Die schwierige Suche nach den verschollenen Arbeiten des jüdischen Malers Armin Stern

Armin Stern, Klagemauer, 1934, Öl auf Leinwand, 51 x 71 cm Nachlass Armin Stern, Berlin Foto: Gerhard Haug, Berlin Bildrechte: © 2017, Anita Lochner, Berlin

Er porträtierte Albert Einstein und Thomas Mann. Er studierte an der Frankfurter Städelschule, in München bei Franz von Stuck und – wie viele seiner Künstlerkollegen – auch in Paris. Doch in der Kunstgeschichtsschreibung blieb Armin Stern (1883–1944) lange ein Unbekannter. Ein Großteil seiner Werke ist noch immer unauffindbar.

Für die Kunsthistorikerin Sabine Meister war das Forschen nach Werken und biografischen Daten des jüdischen Malers Detektivarbeit. Eine wichtige Basis bildeten die Berichte seiner Enkelin und die aufgezeichneten Erinnerungen seiner Tochter. Zahlreiche Bilder wurden von den Nazis vernichtet oder gingen während des Zweiten Weltkriegs und durch die Flucht verloren. Nur wenige in öffentlichen und privaten Sammlungen aufgefundene Arbeiten, historische Abbildungen aus dem Nachlass und zeitgenössische Pressetexte ermöglichen eine Annäherung an sein gesamtes Schaffen.

Armin Stern, als Herrmann Stern in Galánta im damaligen Österreich-Ungarn geboren, wollte schon als Teenager kein Kaufmann wie sein Vater werden, sondern Künstler. Mit 17 Jahren zog er nach Frankfurt am Main, um 1900 in Deutschland ein Zentrum jüdischen Lebens mit einer dynamischen Kulturszene. An der Städelschule studierte er bei Wilhelm Amandus Beer Malerei. Im Frankfurter Kunstverein traf er auf Kollegen wie den zehn Jahre älteren Jakob Nussbaum, wie Ugi Battenberg, Alfred Oppenheim, Ottilie W. Roederstein, Alexander Soldenhoff und Siegfried Wohlfahrt. Man traf sich im Café Westend am Opernplatz, in dem auch Theodor W. Adorno, Walter Benjamin und Siegfried Kracauer verkehrten.

Armin Stern schien damals bereits zu beherrschen, was heute für Künstler unumgänglich ist: sich zu vernetzen und selbst zu managen. Er reiste in Künstlerkolonien und besuchte diverse Kunstzentren in Europa.

Stern, der an der „Jeshiwa“ den Talmud studierte, fühlte sich der jüdischen Tradition zeitlebens verbunden, das spiegelt sich in den Themen seiner Bilder wider. Ohne sich auf einen bestimmten Stil festlegen zu lassen, experimentierte er mit den künstlerischen Mitteln der jungen Moderne wie Impressionismus, Expressionismus, Kubismus und Neue Sachlichkeit. Neben religiösen Themen malte er Stillleben, Landschaften und Szenen der von ihm bereisten Länder. Porträts haben einen großen Stellenwert unter seinen Arbeiten.

Der sich verschärfende Antisemitismus veranlasste ihn, mit seiner Familie 1933 zunächst nach Bratislava zu fliehen, fünf Jahre später emigrierten sie in die USA. Die Versuche, den zahlreichen Verwandten bei der Ausreise zu helfen, scheiterten. Fast alle Familienmitglieder Sterns wurden in Vernichtungslagern umgebracht. Der Maler starb 1944 im Exil wenige Tage vor seiner Einbürgerung und mitten in der Vorbereitung einer Ausstellung an einem Herzinfarkt.

„In der späten Würdigung und Rehabilitierung verfemter Künstler liegt ein wesentliches und programmatisches Anliegen des Hauses“, erklärt die Leiterin des Kunsthauses Dahlem, Dorothea Schöne. Für das 1942 als Atelier des NS-Staatsbildhauers Arno Breker errichtete Museum stelle eine solche Begegnung für die Aufarbeitung der Geschichte des Hauses eine Notwendigkeit dar.

Armin Stern.Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit Kunsthaus Dahlem, Käuzchensteig 8, 19.1.–12.3., Mi–Mo 11–17 Uhr

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