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Aslan Gaisumov in der Galerie Zink

Diesen Büchern hat man Gewalt angetan: Man hat sie mit kochendem Wasser übergossen, Nägel oder überdimensionierte Glassplitter durch sie gejagt und Röhren durch sie gelegt. Andere Arbeiten muten zarter an: An ein Buch ist ein Tuch gehängt, größer als ein Tränen-, aber kleiner als ein Leichentuch. In ein anderes hat Aslan Gaisumov ein Uhrwerk gepflanzt. Seine 30 Buchskulpturen sind zwar offiziell nicht als Serie etikettiert, sie wirken aber als zusammenhängende Installation wie die Stationen eines verwundeten Lebens.

Die bearbeiteten Bücher des 1991 in Grosny geborenen Bildhauers lassen sich auch als Metapher für einen kulturellen Speicher lesen, nicht nur für persönliche Erinnerungen. Wie Speicher und Personen durch Krieg verwüstet werden – daran tasten sie sich heran. Gaisumov selbst hat von seinem siebten bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr den Zweiten Tschetschenienkrieg durchlebt, sieben Jahre davon mit seiner Mutter im Flüchtlingslager. Darauf bezieht sich seine Arbeit „Seven Years“, für die er sieben aneinander liegende Bücher entkernt hat – sieben Jahre Leere inmitten der Buch-Fassaden.

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Anders bei „In memory of A. P.“, hier  explodieren die Buchstaben geradezu aus einem dunkelrosa Buch heraus in den Raum hinein. So zieht der Künstler die Zweidimensionalität der Bücherseiten fragil ästhetisierend in die dritte, greifbare Dimension. Dem Autodidakten Gaisumov gelingt es so, Metaphern anzulegen, die den Betrachter intuitiv ergreifen. Er vollbringt das Kunststück, die Landschaft eines Traumas zu modellieren.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Courtesy Galerie Zink

tip-Bewertung: Sehenswert

Aslan Gaisumov?, Galerie Zink, Linienstraße 23, Mitte, ?Di–Sa 13–18 Uhr, bis 15.3.  

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