• Kultur
  • Letzte Chance: David Bowie im Martin-Gropius-Bau

Kultur

Letzte Chance: David Bowie im Martin-Gropius-Bau

Bowie_Visconti__Meyer_Hansa_Tonstudio_c_CocoSchwab_CourtesyPrivatarchivEduardMeyer

David Bowie, Tony Visconti und Tonmeister Eduard Meyer 1977 im Hansa-Studio. Foto: Coco Schwab, Courtesy Privatarchiv Eduard Meyer

Andy Warhol muss begeistert gewesen sein. Ein schmächtiger Junge aus der englischen Mittelklasse erobert die Welt mit einer explosiven Mischung aus sexueller Provokation, schrillen Kostümen und wild frisiertem Haar. Bei dem 1947 im Londoner Stadtteil Brixton geborenen David Robert Jones kam alles zusammen, was sich der Pop-Art-Künstler wünschen konnte: große Kunst, glorifizierender Rausch, geschlechtliche Ambivalenz, diffuse Zukunftsverliebtheit und Erfolg, Erfolg, Erfolg.

Wie kaum ein anderer vereinte David Bowie Kunst und Leben zu einer gemeinsamen Formel und erschuf eine Kultfigur, die prägend für seine Generation wurde. Er war Ziggy Stardust, Major Tom und der Thin White Duke, er war aber auch die manifestierte Möglichkeit für ein anderes, ein aufregenderes Leben. Als Maler, Schauspieler, Geschäftsmann, Stilikone und allem voran als Musiker riss er Türen zu neuen Welten auf, zu nie gehörten Sounds und nie gesehenen Identitäten. In seinen besten Jahren war Bowie größer als das Leben. Eine in die Postmoderne katapultierte Vision der utopischen Sehnsüchte der Sixties.

MasayoshiSukita_DesignbyKansaiYamamoto_TheDavidBowieArchive2012Dass gerade ihm eine groß angelegte Ausstellung gewidmet ist, verwundert daher nicht. Bowie war nie nur Klang, er war immer Bild, Ton, Bewegung, Design, Fotografie, Mode, alles zugleich. Bevor der Begriff „multimedial“ überhaupt aufkam, war er bereits seine Arbeitsgrundlage. Multimedial ist auch die große Retrospektive mit über 300 Ausstellungsstücken strukturiert. Man läuft mit Kopfhörern durch Bowies Welten, durch ein London der frühen 60er-Jahre, in dem Jazz und R’n’B die jungen Mods beflügelten, durch Räume voller Bühnenkostüme und Plattencover, Zeichnungen, Fotos, Notizen, Requisiten, Instrumente, Videoclips und Filmschnipsel.Nähert man sich einem Objekt, erklingen Musik oder Erklärungen. Man erfährt mehr über Bowies Art, Songtexte zu verfassen, sein Interesse für Bertolt Brecht oder den Weltraumflug.

Weiterlesen: tip-Autorin Ulrike Rechel hat sich in der Stadt auf Spuren­suche nach dem Thin White Duke begeben.

Ein beachtlicher Teil der Ausstellung widmet sich den Berliner Jahren, als er 1977 in der Mauerstadt die Alben „Low“ und „Heroes“ einspielte. Neben Skizzen, Bildern und Plattencoverentwürfen sind in dem Zusammenhang auch zwei Werke von Erich Heckel zu sehen – Leihgaben aus dem Brücke-Museum, das Bowie damals gern besucht hat –, die jetzt seine Leidenschaft für den deutschen Expressionismus illustrieren.

Verweise, Referenzen, Anknüpfungen: Von überallher prasseln die Eindrücke auf den Betrachter ein. Ein museales Pop-Spektakel. David Bowie ist mittlerweile 67, es heißt, er will nicht mehr auf Tour gehen und auch Interviews mit ihm sind selten geworden. So nah wie in dieser Ausstellung wird man ihm vielleicht nicht wieder kommen.

Text: Jacek Slaski

Foto: Masayoshi Sukita,  Design by Kansai Yamamot, The David Bowie Archive 2012

David Bowie Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, tgl. 10 bis 20 Uhr, 20.5.–10.8. Der 320-seitige Ausstellungs­katalog ist bei Knesebeck erschienen und kostet 49,95 Euro

 

Mehr über Cookies erfahren