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Ausstellung „Distortion“ der Schwedin Linda Tedsdotter

KulturAls die Besucher des Museums für Zeitgenössische Kunst in Zagreb die Treppe zur Ausstellung „Delayed on Time“ betraten, wurden sie von dem plötzlich veränderten Rhythmus ihrer Schritte überrascht. Mit braunem Teppichboden bezogen, waren einige der Holzstufen „verstummt“. Linda Tedsdotters Spiele mit der Wahrnehmung sind allerdings nicht immer mit so einfachen Mitteln entstanden wie „Missing Steps“ von 2004. Für ihre in Berlin präsentierte Arbeit „Distortion“ hat die schwedische Künstlerin hier während ihres Stipendienaufenthaltes um die 100 Personen gebeten, eine kleine Rede zu politisch brisanten Themen oder auch persönlichen Problemen, die sie gerade stark beschäftigten, vor ihrem Mikrofon zu halten. Herausgekommen sind dabei zahlreiche Statements in 30 verschiedenen Sprachen, die nun über unsere Köpfe hinweg aus 600 kleinen, silbrig glitzern­den Kopfhörern dringen, die von der schwarzen Galeriedecke baumeln. Und doch geben sie, nachdem sie so sorgfältig aufgezeichnet wurden, genauso wenig Aufschluss wie Vogel­gezwitscher aus den Baumkronen. Denn einzelne Worte, sollten sie in einer uns bekannten Sprache sein, sind unmöglich auszumachen. Für sensible Gemüter könnte sich gar die Vorstellung ergeben, man befinde sich inmitten eines ausgetretenen Ahnenpfades, auf dem die Luft von Leidenschaften, Gefühlen, Gedanken und Träumen der Verblichenen vibriert. „Wir haben das Recht, unsere Meinung zu äußern, doch wer hört zu“, kommentiert die Künstlerin dazu nur lakonisch.

Text: Constanze Suhr

tip-Bewertung: Sehenswert

Linda Tedsdotter „Distortion“
Galerie Invaliden1
Di-Sa 12-18 Uhr, bis 28.3.2009

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