Ausstellungen

10 Jahre Helmut Newton Stiftung

Matthias_Harder_3_c_StevenKohlstockHerr Harder, zehn Jahre Helmut Newton Stiftung. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?
Positiv. Wohl keiner hätte es für möglich gehalten, dass die Stiftung und unsere Arbeit mit Helmut Newtons Werk so erfolgreich sein würden. Es war ein Experiment, denn eine vergleichbare Institution gab es nicht.

Wie viele Besucher hat das Haus?
Ungefähr 10?000 im Monat, 120?000 im Jahr. Damit sind wir über einer magischen Grenze, denn mit 100?000 Besuchern gehört man zu den großen Museen in Deutschland. Das macht uns stolz. Es ist interessant und manchmal berührend, die Besucherbücher zu lesen. Da schicken Menschen, die Helmut Newton persönlich noch gekannt haben, ihm Jahre später, posthum einen Gruß.

C/O Berlin wird im Herbst ganz in der Nähe eröffnen. Finden Sie es gut, dass der Standort noch weiter zu einem Zentrum für Fotografie wird??
Nicht nur gut, sondern ganz großartig. Ich schätze C/O als Institution und ihre Macher sehr. So wird sich die City West zu einem Foto­grafiecluster entwickeln, auf die Syner­gie­effekte freue ich mich.

Gibt es Pläne zur Zusammenarbeit?
Über gemeinsame Pläne zu sprechen, ist noch zu früh. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir schon bald in diese Richtung gehen.

Sie zeigen zum Jubiläum noch einmal die Eröffnungsausstellungen „Sex and Landscapes“ und „Us and Them“.?
Helmut Newton hatte sich damals, also kurz vor seinem Tod, diese Doppelausstellung für die Eröffnung seiner Stiftung gewünscht. Und nun wünscht sich June Newton diese Ausstellungskombination erneut. Es ist ein Rückblick, eine Erinnerung und gleichzeitig etwas Neues für die jüngere Generation.

June Newton ist auch mit ihren Fotografien präsent.
Ja, „Us and Them“ war ein gemeinsames Projekt, es enthält Selbstporträts, gegenseitige Porträts und Fotografien von Prominenten und Weggefährten. Die Ausstellungsbesucher können hier sehen, wie zärtlich und lustvoll sie miteinander umgingen – auch mit der Kamera. „Us and Them“ gleicht einer fotografierten Lebens- und Liebesgeschichte.

Helmut Newton ist 2004 gestorben. Was kann noch Neues kommen??
Helmut Newton hat bei der Gründung seiner Stiftung knapp 1?000 Bilder als Dauerleihgabe übertragen. Darüber hinaus gibt es wie bei jedem Fotografen viele Negative, wahrscheinlich Hunderttausende, die gar nicht vergrößert wurden. Doch June Newton sagt zu Recht, es zählen in Newtons Werk allein die veröffentlichten oder vergrößerten Bildmotive. Und dieser Bereich beinhaltet immer noch viele Bilder, die relativ unbekannt sind. Wenn Sie beispielsweise in einer französischen „Vogue“ oder „Elle“ aus den 1960er- oder 1970er-Jahren blättern, finden Sie zahlreiche Aufnahmen von Newton, die Sie vermutlich noch nie gesehen haben. Die Dauerleihgabe, in der sich manche solcher Bilder befinden, wird demnächst präsentiert.

June Newton, die Präsidentin der Stiftung, lebt in Monte Carlo und wird jetzt 91 Jahre alt. Wie kommunizieren Sie?
Wir telefonieren und e-mailen fast täglich. Sie arbeitet mit ihrem Assistenten von morgens bis abends an Projekten, an Bild- und Rechtefragen. Denn über die Stiftung hinaus gibt es den Estate, der Newtons Bildrechte hält.

Verändert sich der Blick auf Helmut Newtons Werk??
Ich führe regelmäßig durch unsere Ausstellungen, dabei habe ich bemerkt, dass Helmut Newton bei der älteren oder mittleren Generation teilweise noch immer Kultstatus genießt, aber die ganz jungen Leute sein Werk kaum kennen. Heute zeigt sich eine ganz andere Bildsprache. Juergen Teller und Wolfgang Tillmans, David LaChapelle und Ryan McGinley sind die Heroen der Mittzwanziger. Und doch ist es erstaunlich, wie viele Fotografen aller Generationen sich bis heute auf Helmut Newton beziehen. Das zeigt die Aktualität seines so zeitlosen wie einflussreichen Werkes.

Interview: Stefanie Dörre

Foto: Steve Kohlstock

Helmut Newton – Us and them/Sex and Landscapes Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, Charlottenburg, 5.6.–16.11.

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