Kommentar

„11 Ideen zu Anne Imhof“ von Stefanie Dörre

Stefanie Dörre

1. Eine Künstlerin, die viel wagt, muss viel einstecken. Anne Imhof hat mit „Angst II“ die große Halle des Hamburger Bahnhofs bespielt, eine Inszenierung mit 20 Akteuren, die sich über WhatsApp verständigten, mit Nebel, Musik, Seiltanz, Drohnen und Falken.

2. Überall Tiere in der Gegenwartskunst.

3. Auch Künstlerinnen legen sich nicht mit dem Tierschutz an, die Falken fliegen nicht.

4. Für das Kunstpublikum ist jede Eröffnung ein soziales Event, denn während Imhofs Inszenierung sich über Stunden zu Bildern fügt, hört man beim Smalltalk Sätze wie „Man kann ja vor lauter Nebel nichts sehen“, „Was soll die Rasiererei“ und „Wie lange dauert das noch?“.

5. Die Kritik wird ganz beiläufig geäußert, weil man eben (siehe Punkt 4) für die Kunst nur eine begrenzte Menge an Konzentration aufbringen kann. Dabei hätte man kurz mal darüber nachdenken können, warum sich in Imhofs Arbeit – die sie „malerische Komposition“ oder „Oper“ nennt – wie bei vielen anderen jüngeren Künstlern, die Gattungsgrenzen so entschieden auflösen:

6! Und

7. die Autorschaft eines Werkes für sie ein Mitwirken vieler ist, wodurch immer etwas entsteht, das sich –

8. – der vollen künstlerischen Kon­trolle entzieht. Was

9. heißt, die Unaufmerksamkeit des Publikums ist vielleicht gar nicht eine mangelnde Qualität von „Angst II“, sondern Ergebnis der Versuchsanordnung. Womit sich

10. das Publikum selber vorgeführt hätte.

11. Trotzdem mögen sich alle.

Mehr über Cookies erfahren