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19. Rohkunstbau auf Schloss Roskow

RohkunstbauXIX_MarcelBuehler14_c_HeinrichBoellStiftung_JanBrockhausNur eine Stunde von Berlin-Mitte entfernt liegt Schloss Roskow. Nach Jahren des Leerstandes soll aus der barocken Dreiflügelanlage ein „Kulturschloss“ werden. Aktuell ist Arvid Boellert mit dem Kunstfestival Rohkunstbau vor Ort. Durch das Gemäuer wehen der Atem der Historie und ein Hauch von Moral. Als Überbau dient Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, der vor Inzest-Liebe, Mord und Totschlag nur so strotzt. Hier lässt sich vieles subsumieren, was moralisch bewegt. Kurator Mark Gisbourne wählte Arbeiten von zehn Künstlern aus fünf Ländern, alle gehen frei mit dem Thema um. Während die Madonnenbilder von Annelies Strba auch zu Shakespeare passen würden und mehr an Ophelia erinnern als an die Walküren, setzte sich der Zeichner Michael Wutz mit der Familiengeschichte des Schlosses auseinander. Das 1723 bis 1727 für die von Kattes errichtete Anwesen im Havelland war zu DDR-Zeiten eine Dorfschule.

Ein fiktiver Stammbaum auf einer Schultafel beleuchtet die engen Verhältnisse mancher Adeligen untereinander. Tapisserien gehörten schon früher in hochherrschaftliche Gemäuer. Margret Eicher, die ihre Medienteppiche derzeit noch in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg zeigt, bespielt das ehemalige Musikzimmer mit modernen Varianten einer wehrhaften Lara Croft alias Brünnhilde. Prägnant ist die Foto-Arbeit des Ungarn Zlatko Koplja, der seine Hände nicht in Unschuld, sondern in Blut wäscht. Zu den Entdeckungen zählen schließlich die zwischen Malerei und Skulptur changierenden Licht- und Schattenlandschaften Philipp Fürhofers. In seinen vielschichtigen Arbeiten spiegelt sich eine dem Untergang geweihte Welt, die irgendwo zwischen Diesseits und Jenseits angekommen scheint. Hier lässt sich die „Götterdämmerung“ schon mal besichtigen – so magisch wie unheimlich!

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Heinrich Böll Stiftung / Jan Brockhaus

tip-Bewertung: Sehenswert

XIX. Rohkunstbau: „Moral“ Schloß Roskow, Dorfstraße 30, Sa+So 12–18 Uhr, bis 22.9.

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