Ausstellungen

45 Jahre Auflagenkunst der Edition Block

Beuys_schlittenLängst ist der Filzanzug von Joseph Beuys ein Klassiker. Als Renй Block ihn 1970 in einer Auflage von 100 Exemplaren herausbrachte, kostete er 900 Mark. Beuys war damals schon berühmt und der Anzug „ziemlich teuer“, wie der Galerist findet. Heute erreicht das Sammlerobjekt auf Auktionen locker 100.000 Euro.

Bei Block, der von 1964 bis 1979 seine legendäre Berliner Galerie führte und später im öffentlichen Dienst tätig war, bevor er sich 2005 wieder verstärkt der Auflagenkunst widmete, kann man die historischen Editionen ebenso bestaunen wie die Multiples von Zeitgenossen erwerben – Mona Hatoums Spazierstock aus Silikon oder Olaf Metzels Zeitungsknäuel aus Aluminium, beide 2011 entstanden. Lehrreich, listig und lustig ist die Entdeckungsreise in den Räumen an der Heidestraße, die Block seit 2007 bespielt: Hansjoachim Dietrichs „Geräuschkissen“ säumt pochend den Weg, die Grafik des kapitalistischen Realismus mit Blättern von Gerhard Richter und Sigmar Polke.

Die Gründung der Edition vor 45 Jahren geschah „auf Wunsch der Künstler“. Sie propagierten die Idee einer vervielfältigten und damit demokratisierten, für jedermann erschwinglichen Kunst. Künstler waren politisch denkende Leute. Sie wollten das System verändern, den Markt und die Aura des teuren Unikats brechen. Es waren andere Zeiten, geprägt von Originalität, Sprengkraft, Hintersinn und Humor. Was man auch an den Objekten und Grafiken ablesen kann. Fluxus-Künstler Wolf Vostell steuerte die erste Edition bei, das „Klammerbuch“ (1966): Texte zu zwei Happenings, eingeklammert zwischen Schraubzwingen.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Edition Block (Schlitten von Joseph Beuys, 1969)

tip-Bewertung: Sehenswert

Multiplizieren ist menschlich Heidestraße 50, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 26.11.2011

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