Ausstellungen

50 Jahre Deutscher Jugendfotopreis im DHM

illnerSamy Raum hat einfach sein Gesicht in die Linse geschoben und abgedrückt. Gut sieht er auf den so entstandenen Fotos nicht aus, die Nase verzerrt, die Halloween-Schminke verschmiert. Aber dafür echt. So wurde Samy mit fünf Jahren ein Gewinner beim Deutschen Jugendfotopreis. Daaje Böhlke-Itzen, 10, hat seine unter der BILD-Zeitung eingeschlafene Omi porträtiert. Auch Katja Illner, 21, hält sich nicht an Konventionen und lässt das Mädchen auf dem Polaroid einfach weggucken (Foto). So bin ich, und so sehe ich die Welt, basta – dieser Satz scheint über fast allen Fotos zu stehen, die in der Ausstellung „50 Jahre Deutscher Jugendfotopreis“ im Deutschen Historischen Museum zu sehen sind. Direkt, authentisch, mittendrin sind Attribute, die man diesen Bildern sofort zuschreibt. Wobei die jüngsten Fotografierenden am unabhängigsten von den täglichen Bildern in Zeitungen und Magazinen agieren.

Ein Raum zeigt Preisträger, die später Berufsfotografen geworden sind. Dirk Olaf Wexel, der 1966 ein Bild von zwei rennenden Dackeln einreichte, macht jetzt Hochglanzwerbung. Silke Weinsheimer ist mit kunstvoll inszenierten Aufnahmen für Zeitschiften erfolgreich. Das sieht toll aus. Doch im Vergleich wird klar, was das 10.000 Aufnahmen umfassende, im DHM-Archiv lagernde Konvolut des Deutschen Jugendfotopreises so einmalig macht: Da haben Fotografen Bilder gemacht, die keiner beauftragt, bezahlt oder bewundert, sondern die unbedingt etwas mitteilen wollen über sich und ihre Welt. Wie Elisa Nissha Dietrich, die das langsame Sterben ihrer kranken Schwester Valeska dokumentiert, „um die Angst vor dem Tod zu nehmen“. Je näher die Fotografierenden an ihrem Thema dran sind, desto stärker die Bilder. Von diesen Fotos scheint eine Unmittelbarkeit auszugehen, die aktuell viele Profifotografen in ihre Arbeit einzubauen versuchen – weil es Trend ist.
Ich, Familie, Freunde, Reisen, Beobachtungen sind einige der Themen, zu denen Christin Pschichholz und Dieter Vorsteher-Seiler die rund 600 Fotografien geordnet haben. Und es ist den beiden Kuratoren gelungen, im oft etwas eingefahren wirkenden DHM eine Ausstellung mit großer Sogwirkung zu inszenieren.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Katja Illner/Sebastian Ahlers/Deutscher Jugendfotopreis DHM

tip-Bewertung: Herausragend

Für immer jung. 50 Jahre deutscher Jugendfotopreis Deutsches Historisches Museum, bis 5.2.2012

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