Ausstellungen

„50 Jahre deutscher Jugendfotopreis“ im DHM

Roeder_AktionstagMama durfte die teure Technik meist nicht bedienen, sie wurde erst mit der Pocketkamera zur Chronistin des Familienlebens. Und die Kinder schon gar nicht. Heute, im Zeitalter der Digiknipsen, fotografieren schon Kleinkinder. Das Medium Fotografie hat sich in den letzten 50 Jahren enorm verändert, ebenso wie unsere Vorstellungen von Kindheit und Jugend. „Die Sammlung reflektiert all diese Veränderungen. Sie ist ein kollektives Fotoalbum“, sagt Christin Pschichholz. Und ein ziemlich beeindruckendes dazu. Die Fotografien der Preisträger sind kein bisschen kindlich oder kindisch, sondern sie haben eine große Kraft. Pschichholz kuratiert gemeinsam mit Dieter Vorsteher-Seiler die Aus­stellung „50 Jahre Deutscher Jugendfotopreis“ im Deutschen Historischen Museum, wo das Archiv mit 10?000 Preisträger-Fotos liegt.

Familie, Freundschaft, Liebe, der eigene Körper, das Unterwegssein, aber auch Protestkultur und Sozialstudien sind große Themen, mit denen sich die Kinder und Jugendlichen über ein halbes Jahrhundert hinweg immer wieder befasst haben. Deshalb haben Pschichholz und Vorsteher sich gegen eine chronologische Präsentation der 600 ausgestellten Fotogafien entschieden, sondern Themenschwerpunkte gebildet. So wird man beispielsweise sehen, wie sich die Perspektive der Jugendlichen im Laufe der Jahre auf Familie wandelt, vom harmonischen zum zunehmend kritischen Blick. Doch eines ist allen Fotos gemeinsam: „Man bemerkt sofort diese spezielle Energie, die Jugend ausmacht, diese Lebensfreude und Direktheit“, sagt Christin Pschichholz. Der bislang jüngste Teilnehmer am Deutschen Jugend­fotopreis war drei, die älteste Gruppe bilden die 21- bis 25-Jährigen. Doch gerade die Fotos der Kinder von 1 bis 10 sind für unsere Sehgewohnheiten die ungewöhnlichsten, da werden mal einfach die Köpfe abgeschnitten. „Die Kinder haben noch einen sehr unverfälschten Blick.

Wir Erwachsenen sind viel mehr durch die Fotos geprägt, die wir in den Magazinen und der Werbung sehen“, sagt Christin Pschichholz. Und ergänzt: „Es gibt Fotografen, die sich speziell von Kindern gemachte Fotos ansehen, um diesen unverstellten Blick wieder zu lernen.“ Viele der Preisträger haben die Fotografie zum Beruf gemacht, beispielsweise Julian Röder, Preisträger 2001 (Foto oben). Und einige der Teil­nehmer, die leer ausgingen, auch. Einer von ihnen war Wolfgang Tillmans. Der berühmte Künstler hat zwar keinen Jugendfotopreis bekommen, aber später immerhin einen Platz in der Jury.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Julian Röder

„Für immer jung. 50 Jahre deutscher Jugendfotopreis“ Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 1, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, 12.11.–5.2.2012; die Austellung begleitet ein Fotowettbewerb, www.dhm.de

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