Ausstellungen

8. Gallery Weekend im April 2012

FriedrichKunath1202_c_Michael_Schmelling_Los_Angeles_BQ_BerlinEs gibt viele Wege, sich dem 8. Gallery Weekend zu nähern: nach neuen Namen schauen oder nach alten Bekannten, gezielt oder per Zufallsprinzip. Im vergangenen Jahr fiel die Entscheidung leicht. Da eröffneten etliche Galerien an der Potsdamer Straße. Dicht gruppieren sich dort die Kunsträume. Mal sehen, wie sich das Umfeld so macht, oder besser gleich nach Mitte? Na, es bleiben drei Tage Zeit.

Vier Tipps für einen Rundgang:
Sabine Schmidt von PSM nahe dem Rosa-Luxemburg-Platz steht für Überraschendes. Die Galeristin debütierte 2008 mit einer Installation aus Plattenspielern des Japaners Ujino Muneteru. Wie das knatterte und zirpte! Zweifelsohne kein Boom-Künstler, aber ein Multitalent, das sich einprägte. Was bastelt der Sound-Tüftler diesmal? Maschinenmenschen beim Tanz, ein tönendes „Duett“ aus Puppen, die sich auf das japanische No-Theater beziehen.

Zu den ersten Adressen des Gallery Weekends muss man sowieso hinschauen. Dazu gehört die Galerie Meyer Riegger im Kreuzberger Teil der Friedrichstraße. Jochen Meyer sitzt im Auswahlkomitee der Art Basel und mischt auch bei der abc contemporary mit. Er und Thomas Riegger schicken Armin Boehm ins Rennen. Vor etwa elf Jahren entdeckten sie den jungen Maler an der Düsseldorfer Hochschule. Inzwischen lebt er in Berlin. Die Bilder des 39-Jährigen bestechen durch ihre Textur. Eine feine, haptische Stofflichkeit schafft Rauheit statt Glätte und Sinnlichkeit statt Eintönigkeit. Boehm, dessen düster changierende Darstellungen urbaner Gewaltausbrüche im Erweiterungsbau des Frankfurter Städels hängen, fragmentiert in „Wald, Hochwald, Holzfällen“ die Natur. Er zählt zu den Experimentierfreudigen und mixt figurative Elemente mit Abstraktion.
Ebenfalls 1972 geboren wurde Robert Elfgen. Biografische Erfahrungen und Alltagsbeobachtungen verwandelt er bei Sprüth Magers in eine Installation aus surreal anmutenden Collagen, Malerei und Skulptur. Besichtigen lassen sich überdies frühe Performance-Filme von Anthony McCall. Den imposanten Hauptsaal besetzt LED-Pionierin Jenny Holzer – mit Malerei! Für „Top Secret“ reproduzierte die Herrin der Neon-Schriftzüge Kriegsdokumente der US-Regierung auf Leinwand und ersetzte geschwärzte Stellen farbig-geometrisch.

Aus dem Suprematismus abgeleitete Formen verpasst Stararchitektin Zaha Hadid ihren spektakulären Bauwerken. In London entstand jüngst die Olympia-Schwimmhalle. Bei Andrй Buchmann kann man mal schauen, was ihre Vision einer abstrakten Architektur für die Kunst bedeutet. Die Möbel­skulptur „Iceberg“ wirkt ähnlich kühn. Drum herum gruppieren sich Silver- und Dot-Paintings, die die unkonventionellen Raumvorstellungen der 1950 in Bagdad geborenen Grenzgängerin zum Ausdruck bringen. Schade, dass Berlin nicht den Mut besitzt, ein architektonisches Ufo von ihr im Stadtbild landen zu lassen.

Text: Andrea Hilgenstock
—————————

Das Gallery Weekend steht an, und alle Galeristen versuchen, die beste Ausstellung des Jahres hinzulegen. Es gibt enorm viel zu sehen. Nicht nur in den 51 Galerien, die offiziell zum Festival gehören und schon durch ihre Teilnahme zur Oberklasse zählen. Viele andere Galeristen wollen den Schwung nutzen und eröffnen ebenfalls an diesem Wochenende. Das ist natürlich immer auch Spektakel, da werden Netzwerke gepflegt, Partys gefeiert. Viele Galerien werden zu voll sein, um das, was an Wänden hängt oder auf Sockeln steht, überhaupt zu sehen. Sehr zu empfehlen ist, sich das, was man wirklich sehen will, in den Wochen danach noch mal in Ruhe anzuschauen.

Meine Empfehlungen:
Es wird monumental, denn Julian Schnabel (geboren 1951) ist in der Stadt. Der Maler und Regisseur, der einem großen Publikum spätestens durch Filme wie „Basquiat“ oder „Schmetterling und Taucherglocke“ ein Begriff ist, stellt bei Contemporary Fine Arts aus. Bekannt geworden ist er in den Achtzigern durch seine „Teller-Bilder“, auf Tellerscherben relativ naiv gemalte Figuren und Porträts. Er kam, sah und siegte, und das mit Malerei in riesigem Format und von manchmal eher zwiespältiger Qualität. Ein großes Ego, die richtige Zeit, der richtige Ort, das mag ihm geholfen haben. Ich bin trotzdem sehr gespannt, mal ein paar Originale von ihm zu sehen.

Interessant wird auch, was Thomas Zipp (geboren 1966) bei Guido Baudach macht. Der Maler, der bei seinen Ausstellungen oft den ganzen Raum verändert, indem er mit Stellwänden, eigens angefertigten Lampen, Objekten und natürlich Gemälden versucht, ein großes Ganzes zu schaffen. Thematisch kommt da viel zusammen, wird gesampelt, neu gedacht, erforscht und in der Kunstgeschichte gewühlt. Dieses Mal stellt er gleichzeitig in den Räumen in Wedding und Charlottenburg aus. „Wenn es am Montag nicht besser wird, rufen Sie noch mal an“ – um nur mal einen Titel von Meuser (geboren 1947) herauszugreifen. Eine Menge Witz, aber auch Tiefsinn schwingen im Werk des Beuys-Schülers und Documenta-Teilnehmers mit. Seine minimalistischen, aus Stahlschrott zusammengeschweißten, oft monochrom bemalten Objekte haben trotz ihrer eigentlichen Schwere eine wundervolle Leichtigkeit.

Friedrich Kunath ist ein Alleskönner. Seit ein paar Jahren stellt der 1974 in Chemnitz geborene, in L.A. lebende Maler, Zeichner, Objekt- und Videokünstler das jetzt schon unter Beweis. Das Erste, was ich von ihm sah, war das Foto eines Passagierflugzeugs, das in Richtung Sonnenuntergang startet, auf das er nur „Your Problems“ geschrieben hat. So einfach, so gut. Es gibt keine Grenzen bei Friedrich Kunath, er lotet alles aus, was ihn interessiert, spielt mit Medien genauso wie mit Materialien.

Text: Michael Wagner

Foto: Friedrich Kunath / Michael Schmelling, Los Angeles, BQ Berlin 

Gallery Weekend Fr 27.4., 18–21 Uhr, Sa 28., So 29.4., 11–19 Uhr Alle Infos zu den 51 Galerien inklusive Straßenkarten: www.gallery-weekend-berlin.de, Eintritt frei

PSM, Straßburger Straße 4-8, Prenzlauer Berg: Ujino Muneteru, bis 2.6.
Meyer Riegger, Friedrichstraße 235, Kreuzberg: Armin Boehm, bis 26.5.
Sprüth Magers Berlin, Oranienburger Straße 18, Mitte: Jenny Holzer, Robert Elfgen, Anthony McCall, bis 16.6.
Buchmann Galerie, Charlottenstraße 13, Kreuzberg: Zaha Hadid, bis 23.6.
Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10, Mitte: Julian Schnabel, bis 28.7.
Galerie Guido W. Baudach, Oudenarder Straße 16-20, Wedding, und Cramerstraße 11, Charlottenburg: Thomas Zipp, bis 9.6.
Galerie Nordenhake, Lindenstraße 34, Kreuzberg: Meuser, bis 23.6.
BQ, Weydingerstraße 10, Mitte: Friedrich Kunath, bis 30.6.

 

Mehr über Cookies erfahren