Antwerpen 1969

A 37 90 89 – Die Erfindung der Neo-Avantgarde im n.b.k.

Neo-Avantgarde und die Erfindung des Projektraums

Programmplakat A 37 90 89, 1969, tomas schmit archiv / Galerie Barbara Wien, Berlin

Wenn ein weitgehend institutionalisierter Projektraum eine dokumentarische Ausstellung über einen Projektraum macht, zu dessen Zeit der Begriff Projektraum noch gar nicht geprägt war und der nicht einmal für ein Jahr Bestand hatte, dann erscheint das auf den ersten Blick seltsam. Auf den zweiten, dritten und vierten Blick entdeckt man eine Ausstellung, die in eine Zeit zurückführt, die späten 60er, in der sich die Kunst und die Künstler noch einmal neu zu erfinden versuchten. So ist der Untertitel denn auch „Die Erfindung der Neo-Avantgarde“. Wer sich auf die sperrige Dokumentation des Antwerpener Projektraumes A 37 90 89 einlässt, der findet echte Perlen situationistischer und konzeptueller Kunst, die aufgrund ihrer meist ephemeren Eigenschaften nur über Dokumente und Relikte dargestellt werden können. Damit bleibt die Ausstellung aber bis auf wenige Ausnahmen auf sekundäre Materialien angewiesen, statt auf Werke.

Auch die Entstehung dieses Avantgarde-Spielplatzes, das eigentliche Wunder, kommt leider zu kurz. Trotzdem findet man anregende, frisch wirkende Dokumentationen von Performances, die teils radikaler, mutiger und politischer sind als das, was man heute aus der „freien Szene“ gewöhnt ist. Die Arbeit „Café Amadou“, mit der Addi Køpcke, Robin Page und Tomas Schmit nach einwöchiger Recherche im „echten“ Café Amadou den Ausstellungsraum in ein Café, einen Ort sozialer Interaktion verwandelten, setzte Maßstäbe für die Konstruktion sozialer Räume als Kunstaktion.

A 37 90 89 – Die Erfindung der Neo-Avantgarde n.b.k., Chausseestr. 128/129, Mitte, Di– So 12–18 Uhr, Do 12–20 Uhr, bis 27.1.2019

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