Gruppenausstellung

„A Toast on a Ghost“ im RAE

Geisterstadt Weißensee: Im RAE kuratieren drei junge Künstler mit A Toast on a Ghost eine große Ausstellung über das Unheimliche. Dabei darf man mit Geistern nicht scherzen

A Toast On A Ghost
Foto: Courtesy Galerie koal Berlin

Kurz vor der Sommerpause versammelt die Ausstellung „A Toast to a Ghost“ 26 hauptsächlich in Berlin lebende Künstler, die sich in Ihren Arbeiten oder in Aspekten ihres Schaffens alle mit dem „Unheimlichen“ auseinandersetzen, wie es der geisterhafte Titel ja auch schon anklingen lässt. Echte „Geister“ wird es dann allerdings doch nicht zu sehen geben, erklären Johanna Silbermann und Jérôme Chazeix, zwei der drei kuratierenden Künstler (mit Nina Maria Küchler). „Wir arbeiten inzwischen seit gut zwei Jahren an diesem Projekt“, führen sie weiter aus. „Auf die Idee sind wir durch unsere eigenen Arbeiten gekommen, die oft auf die eine oder andere Weise um das ‚Unheimliche‘ kreisen, das sich in Zwischenräumen zeigt oder diese atmosphärisch begleitet. Von dieser Gemeinsamkeit und unserem Interesse an diesem schwer greifbaren Begriff ausgehend, haben wir begonnen, eine Ausstellung zu planen.“

Es ist kein Wunder, dass ein Gutteil der Planungszeit in das Googeln, die Auswahl und die Anfrage von Künstlern geflossen ist. Anders als bei vielen anderen „Artist as a curator“-Konzepten, die sich in der freien Berliner Szene einiger Beliebtheit erfreuen, ist die Bandbreite der beteiligten Künstler wirklich beachtlich. Neben – relativ gesehen – unbekannten Künstlern, die entweder aus dem Bekanntenkreis der drei Kuratoren kommen oder über die sie in einem der vielen Projekträumen der Stadt gestolpert sind, sind bekannte Namen wie Armin Boehme oder Ingo Mittelstaedt dabei, dessen Arbeiten zeitgleich im Haus am Waldsee zu sehen sind. Auch beschränkt sich die Auswahl nicht einfach auf die nachrückende Generation, aus der die drei Kuratoren selbst stammen.  Vom Alter um die 30 bis über 50 ist alles dabei, was die stilistischen Ausformungen und präsentierten Traditionen noch einmal breiter fächert, als dies sonst oft der Fall ist.

Mit dem RAE in Weißensee hat man für die erste Ausstellung zudem einen wirklich passenden Kooperationspartner gefunden. Der Raum in einem alten Ziegelbau hat den Charme einer ehemaligen, abgerockten Garage und ist nicht allzu groß, auch wenn das bei der Teilnahme so vieler Künstler erst einmal seltsam klingen mag. „Wir hatten von Anfang an vor, die Arbeiten in Form einer Petersburger Hängung zu präsentieren und auch die Videoarbeiten und Installationen in Beziehung zu der Gesamtheit zu setzen, um Beziehungen und Unterschiede herauszuarbeiten“, sagen die Kuratoren. „Außerdem finden wir es spannend, dass durch dieses enge Beieinander vielleicht auch neue Zwischenräume entstehen, in denen sich dann wiederum das Unheimliche auf neue Art zeigen könnte.“

Auch thematisch passt diese Ausstellung gut zum RAE, reist die von den Betreibern organisierte Wanderausstellung „Alptraum“, an der inzwischen 218 Künstler beteiligt waren, nun doch schon seit Ende 2010 rund um den Globus. Diese Schau hat seither vier Mal Station in Berlin gemacht, das letzte Mal in diesem Jahr in den Räumen des RAE. Nach der Berliner Auftaktausstellung wandert ein Teil dieser neuen Ausstellung in das Künstlerhaus Meinersen in Niedersachsen. Eine Anfrage aus Wien liegt auch schon vor, und in Berlin wird es in der Mengerzeile irgendwann Ende des Jahres wohl auch noch einen zweiten Teil geben. Das Interesse an dem Thema hat auch die drei Kuratoren überrascht. Plötzlich, so erzählen sie, sei alles ganz schnell gegangen.

A Toast to a Ghost RAE – Real Art Estate, Gustav Adolf Str. 145, Weißensee,
Mi 18–22 Uhr, Sa 15–18 Uhr und nach Vereinbarung, 17.–30.7.

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